Sonderveröffentlichung

Umwelt
Die Wurmkiste: Bio-Abfälle natürlich verwerten

In Deutschland werden tagtäglich unzählige Tonnen Müll produziert, der abgeholt, weiterverwertet, vernichtet, recycled oder gelagert werden muss. Selbst wenn es sich um natürlich abbaubare Reste von Lebensmitteln handelt, wird allein beim Transport massenhaft Kohlendioxid ausgestoßen. Dabei gibt es auch in Städten eine Möglichkeit, den Bio-Müll zu hochqualitativem Humusboden umzuwandeln: eine Wurmkiste. Zugegeben – im Gegensatz zu Hunden, Katzen oder Kaninchen sind Würmer eher ungewöhnliche Haustiere. Dafür produzieren sie einen Dünger, der die etwa fünffache Düngewirkung von normalem Kompostboden besitzt. Und das Beste: Eine Wurmkiste passt wirklich in jede Wohnung.

Freitag, 05.03.2021, 04:28 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 11:31 Uhr
Umwelt: Die Wurmkiste: Bio-Abfälle natürlich verwerten
Foto: Pixabay

So funktioniert der Bio-Komposter

Für einen Hund müssen Sie regelmäßig Futter besorgen – Kompostwürmer ernähren sich von organischen Abfällen. Dabei stellen sie praktischerweise einen wertvollen Bio-Dünger her. Der kann dann für den Garten, die Zimmerpflanzen oder für die  Bepflanzung des Balkons  genutzt werden. Eine Wurmkiste bietet den kleinen Lebewesen die Möglichkeit, dies in einem vor der Witterung geschützten Rahmen zu erledigen. Am aktivsten sind die Nützlinge bei Temperaturen zwischen 5 und 30 Grad Celsius. Im Sommer sollten sie daher im Schatten stehen, im Winter – wenn möglich – in die Wohnung gebracht werden. In der Natur gibt es etwa 40 verschiedene Regenwurm-Arten. Aber keine Sorge – Sie müssen für die Wurmkiste nicht in mühsamer Kleinarbeit den Waldboden durchgraben, um diese einzusammeln.

Kompostwürmer können lebend oder im Kokon im Fachhandel bestellt werden. Wurmkisten bestehen in der Regel aus mehreren Etagen. Da die frischen Abfälle stets von oben kommen, kriechen die Würmer dorthin, wo die Nahrung ist. Ab etwa 15 bis 20 Zentimetern Füllhöhe kann schließlich die unterste Schicht, die durch ein Sieb abgetrennt ist, aus der Kiste entnommen und verwertet werden. Manche Wurmkisten funktionieren auch mit einem Zweikammer-Prinzip. Sie besitzen eine senkrechte Trennwand in der Mitte, die einige Löcher aufweist. Durch diese wandern die Würmer dann immer in die Kammer, in der sich die frischen Speisereste befinden.

Wo bekomme ich so eine Kiste her?

Wenn nun Ihr Interesse geweckt worden ist, fragen Sie sich möglicherweise, wo Sie eine passende Kiste für den Hausgebrauch herbekommen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Wer einigermaßen handwerklich begabt ist, kann sich ohne weiteres selbst eine zusammenbauen. Es kommt dabei vor allem darauf an, wieviel Platz die Kiste einnehmen darf. Soll sie später beispielsweise in der Küche stehen, ist möglicherweise eine platzsparende Wurmbox mit kleineren Maßen empfehlenswerter.  Anleitungen für den Eigenbau  gibt es viele – entweder aus Holzbrettern, Eimern oder einer Mörtelwanne. Dazu benötigen Sie noch, je nach Bauanleitung, einen Tacker, Silikon zum Abdichten und den passenden Klebstoff. Informieren Sie sich dafür vorab, welche  Arten von Klebstoff  für Ihre Materialien in Frage kommen. Diese unterscheiden sich nach Baustoff und Stabilität. So wird für größere Holzflächen eher ein Holzleim benutzt und Kleinteile können mit Sekundenkleber befestigt werden. Wer sich die Arbeit nicht machen möchte, für den eignet sich möglicherweise auch eine gekaufte Wurmkiste aus dem Fachhandel. Diese gibt es mitunter im Stück oder als Bausatz. Im Gegensatz zur Marke Eigenbau, bei der Sie mit Kosten um die 50 Euro rechnen können, sind die Wurmkisten im Handel jedoch deutlich kostenintensiver.

Ist das nicht ekelig?

Viele Menschen würden gern auf diese Weise mehr für die Umwelt tun, haben jedoch Bedenken, was die Hygiene angeht. Möglicherweise ekeln Sie sich auch einfach vor den kleinen, schleimigen Mitbewohnern oder haben Angst vor entstehenden Gerüchen. Im Gegensatz zum Bio-Müll sollte die Wurmkiste jedoch nach außen keinen Gestank absondern. Die Kompostierung verläuft, wenn alles gut geht, vollkommen geruchlos ab. Im Inneren der Kiste riecht es bisweilen nach den Lebensmitteln, die hineingeworfen wurden: Kaffeereste, Gemüse, Obst oder geschnittenes Gras. Kompostiert werden kann fast alles, was im Haushalt an Bio-Müll anfällt. Vorausgesetzt, es ist pflanzlich und ungekocht. Auch Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen oder Zahnbürsten aus Bambus können übrigens von den fleißigen Haustieren zersetzt werden. Verpackungen, die  nicht in die Biotonne gehören , sollten selbstverständlich auch den Würmern nicht vorgesetzt werden.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass eine Wurmkiste nicht mehr oder weniger eklig ist als eben die Natur. Es kann beispielsweise notwendig sein, die Würmer einmal per Hand aus dem fertigen Kompostboden zu entfernen. Eine ausgeprägte Wurmphobie ist an dieser Stelle eher hinderlich. Den meisten Menschen geht es jedoch eher so, dass sie sich mit der Zeit an den Anblick gewöhnen. Sie beobachten dann eher fasziniert das Treiben der kleinen Organismen. Auf diese Weise kann man viel über biologische Zersetzungsprozesse lernen – auch für Kinder eine spannende Angelegenheit.

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