Wohnen
Eine Küche planen

Eine neue Küche stellt immer eine gewisse Portion Herausforderung an eigene Ressourcen dar: An eigene gestalterische Ideen, Organisationsgeschick und letztlich auch an die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Dabei gilt in deutschen Haushalten zunehmend die Devise „Klotzen statt kleckern“, wenn die alten Einbauschränke und Elektrogeräte Neuem weichen sollen oder gleich eine komplett neue Küchen-Räumlichkeit geplant wird. Die Küche darf dabei ruhig etwas kosten. So sind die Ausgaben für Küchen in den letzten Jahren stetig gestiegen, von im Schnitt 5.650 Euro im Jahr 2011 etwa auf bis zu 6.700 Euro im letzten Jahr. Dabei sind neben dem Preis auch auf wichtige Vorüberlegungen bei der Konzeption und Planung zu achten.

Freitag, 21.04.2017, 04:04 Uhr

Wohnen : Eine Küche planen
Foto: Plana

In den ersten neun Monaten 2016 verkaufte der deutsche Möbel- und Küchenfachhandel rund 20 Prozent mehr Küchen von mindestens 20.000 Euro als im Vorjahreszeitraum. Und nie war die Planung für Küchenbesitzer in spe leichter als in heutiger Zeit, wo diverse 3D-Softwareprogramme Konzeption und Gestaltung selbst für Laien möglich machen.

Hersteller werben zunehmend mit besonders anwenderfreundlichen, kostenlos zur Verfügung gestellten Online-Küchenplanern im Netz, um Kunden in die Gestaltungsprozesse aktiv einzubinden und sie so auch für sich zu gewinnen. Die realitätsnahen 3D-Ansichten eines Küchenplaners macht eine neue Küche dabei bereits während der Planung erlebbar und lässt den Kunden zum Regisseur werden.

Zwar ist eine Küche zu planen nicht unbedingt immer ein leichtes Unterfangen. Mit der unterstützenden Hilfe von Softwareprogrammen können Kunden jedoch nahezu spielend leicht ihre Ideen von Anfang an optimal an den Grundriss anpassen . Dabei gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen, wie etwa

- die Anzahl und Art der gewünschten Elektro-Geräte

- der zur Verfügung stehende Raum in Quadratmetern

- die Dimensionen des vorhandenen Grundrisses oder auch

- eventuell bereits vorhandene Anschlüsse.

Auch ist die grundlegende Frage vorab mehr als hilfreich, ob die neue Küche eher eine gemütliche Wohnküche oder mehr funktionaler Arbeitsraum werden soll. In alle Überlegungen schwingen auch eigene Vorlieben und Geschmäcker hinein, die letzten Endes bei allem miteingebunden werden. Sie sollen im später vorherrschenden Einrichtungsstil gleichsam zum Tragen kommen.

Sich über eigenes Verhalten und Wünsche bewusstwerden

Dazu hat sich das Erstellen einer Wunschliste, nach Prioritäten geordnet, als wertvoll erwiesen. Sie soll sich bei der späteren Realisierung wie ein roter Faden durch alle Planungs- und Kaufprozesse ziehen – und Antworten auf Fragen wie etwa:

- Soll täglich oder nur gelegentlich selbst frisch gekocht werden?

- Sollen viel oder eher wenig Grundnahrungsmittel aufbewahrt werden?

- Soll die Küche auch zum Verweilen einladen oder eher rein auf das Kochen selbst beschränkt bleiben?

- Ist die Küche eher ausschließlich für die Familie vorbestimmt, oder sollen künftig auch öfters mehrere Gäste bewirtet werden?

Spätere Arbeitswege ergonomisch definieren und festlegen

In einem nächsten Schritt gilt es dann, sich über eigene Kochgewohnheiten Klarheit zu verschaffen, etwa welche Arbeitsschritte besonders oft anfallen werden:

Wird öfter Fleisch zerteilt werden, oder überwiegend Gemüse geschält und geschnitten, da auf vegane Ernährung besonders Wert gelegt wird? Wird öfter der Griff oder Gang zum Vorratsbereich anfallen, da auch öfter Fertig- oder Dosengerichte konsumiert werden?

Je nach Antwort werden nun die Gegebenheiten der späteren Küche grob festgelegt, um die Abstände etwa zwischen Spüle und Vorratsbereich, Abstellfläche und Geschirrspüler oder Schneidefläche und Kühlschrank bereits am Reißbrett zu optimieren.

Die so ermittelten stereotypischen Bewegungsmuster sollten nun in künftig häufiger zu frequentierenden Lauf- und Bewegungswege abgebildet werden. Dabei gilt es die zwischen den einzelnen Arbeitsstellen der Küche definierten Aktionsradien derart großzügig zu dimensionieren, dass ausreichend Arm- und Beinfreiheit herrschen wird.

Einige Grundregeln beachten

So sollten etwa zwischen Arbeitsfläche und der gegenüberliegenden Wand, einem gegenüberstehenden Schrank, einem Tisch oder einer Kücheninsel stets ein Abstand von circa 120 Zentimetern kalkuliert werden, um schnelles und störungsfreies Sich-Bewegen-Können zu gewährleisten. Sehr wichtig in dem Zusammenhang ist, stets geöffnete Türen dabei miteinzurechnen.

Weitere einzuplanende feste Größen sind etwa

- ausreichend Abstell- und Ablagefläche rings um den Herdbereich

- ein großzügig bemessener Mindest-Abstand zwischen Ober- und Unterschränken von rund 50 Zentimetern und zwischen Kochstelle und Dunstabzugshaube von rund 60 bis 70 Zentimetern

- ein Sicherheitsabstand von mindestens rund einem Meter über einem Gasherd

- eine individuelle Abstimmung der Höhe der Arbeitsfläche auf den Hauptnutzer der Küche, um rückenbelastendes Arbeiten in gebückter Haltung zu vermeiden: Abstand zwischen abgewinkeltem Ellenbogen und Arbeitsplatte zwischen zehn und 15 Zentimetern

- eine Mindestanzahl von fünf Schubladen, die Stauraum für Kleinigkeiten und Vorräte bieten.

Die wichtigsten Parameter nach dem späteren Hauptnutzer ausrichten

Auch sollte ebenfalls die Grund-Sockelhöhe auf den späteren Hauptnutzer der Küche abgestimmt sein. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf die Höhe und die Anzahl der jeweiligen Schubladen in den Unterschränken.

Alle Schrankinnenflächen sollten auf die Körpermaße hin so ausgerichtet sein, dass sie bei möglichst bequemer Körperhaltung leicht einsehbar sind, wie auch komfortabel ein- und ausgeräumt werden können.

Optimaler Zugriff lautet die Devise und spielt bei allen konzeptuellen Überlegungen eine zentrale Rolle. So bieten ausziehbare Körbe oder Böden etwa ein höheres Maß an ergonomischer Funktionalität als Fachbretter, die Einsicht und bequemes Handling eher behindern oder erschweren.

Vor dem Hintergrund haben sich ausschwenkbare Vorratsschränke als besonders hilfreich und nützlich erwiesen, da sie selbst in der Tiefe der Vorratsschränke schwerer zugängliche Objekte leichter erreichbar machen. So sind Ausschwenker besonders sinnvoll, bei denen der vordere Raumbereich mit ausschwenkbaren Gitterfächern ausgestattet ist. Sie können etwa an der Schranktür angebracht sein.

Je nach erzielten Konfigurations-Ergebnissen werden anschließend die für alle Elektrogeräte und für die geplante Waschstelle(n) notwendigen Anschlüsse entsprechend festgelegt und in die 3D-Skizzen aufgenommen.

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