Zuschlagen oder warten?
Kaufrausch auf dem Immobilienmarkt:

Es geht rund auf dem Immobilienmarkt. Die Voraussetzungen dafür, günstig einen Kredit für den Wohnungskauf zu erhalten, sind gegeben. Aber wie genau sieht die Lage auf dem Wohnungsmarkt gegenwärtig aus? Wir werfen einen Blick auf die Situation.

Freitag, 19.05.2017, 04:05 Uhr

Zuschlagen oder warten? : Kaufrausch auf dem Immobilienmarkt:
Foto: Flickr Line of Houses Images Money CC BY 2.0

Der Niedrigzins: Vor- und Nachteile

Zumindest theoretisch sind die Voraussetzungen dafür, Wohneigentum zu erwerben, im Moment ideal: Der Leitzins im Euroraum liegt seit über einem Jahr bei exakt 0 %, erst Ende April entschied die EZB diesen Satz vorerst beizubehalten . Zum Leitzinssatz können Banken sich Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen. Das Kalkül hinter dieser Niedrigzinspolitik: Die Banken sollen sich bei der EZB Kapital zum Nulltarif leihen und dieses dann in Form günstiger Kredite an Unternehmen und Verbraucher weitergeben. So soll die Investitionsbereitschaft gestärkt und infolgedessen die Konjunktur angekurbelt werden.

Tatsächlich sind insbesondere die Zinssätze für Baufinanzierungen derzeit so niedrig wie nie zuvor, das macht die Aufnahme eines Immobilienkredits und den Erwerb von Wohneigentum durchaus reizvoll. Auf der anderen Seite bedeutet das niedrige Zinsniveau aber auch, dass klassische Geldanlagen gegenwärtig extrem unattraktiv sind – Beträge über 10.000 Euro bringen im Schnitt aktuell  lediglich 0,05% Zinsen pro Jahr , bei einigen Banken zahlt man sogar Strafzinsen. Auch die Rendite für Bundesschatzbriefe rutschte zeitweise in den negativen Bereich. Berücksichtigt man dazu noch die Inflation, zeigt sich: Setzt man auf herkömmliche Sparprodukte, vermehrt sich das angelegte Geld nicht, es wird stattdessen weniger.

Viele Anleger sehen sich daher nach Alternativen um, die bessere Renditechancen versprechen. Neben risikoreichen Anlagen wie Wertpapieren und spekulativen Finanzderivaten zählen dazu auch Immobilien. Über die Mieteinnahmen wollen renditeorientierte Käufer satte Gewinne erwirtschaften.

Überteuertes Wohneigentum

Das Resultat all dieser Entwicklungen: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem, was vielerorts zu einer wahren Preisexplosion führt:  Der Studie "Wohnatlas 2017" zufolge stiegen die Preise für Wohneigentum in Stuttgart zwischen 2012 und 2016 inflationsbereinigt um 53 %, Spitzenreiter in NRW war in diesem Zeitraum Köln (+40 %). Das Problem: Die derzeitigen Preise spiegeln nicht den tatsächlichen Wert der Objekte wider, sie sind stark überhöht. Das macht einen Immobilienkauf zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll, da die Preise mittel- bis langfristig höchstwahrscheinlich wieder sinken werden.

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: Finanzminister Schäuble und EZB-Präsident Draghi äußerten sich jüngst in einer Weise, die eine baldige Abkehr von der Niedrigzinspolitik oder zumindest  eine Anhebung des Leitzinssatzes bedeuten könnte. Das würde den Nachfrageüberschuss auf dem Immobilienmarkt definitiv reduzieren. Es könnte aber ebenso dazu führen, dass Kreditnehmer, die eine variable Zinsvereinbarung getroffen haben, ihre Kreditraten nicht mehr zurückzahlen können.

Jetzt mieten, später kaufen

Kurz gesagt: Wer noch damit warten kann, sich den Traum vom Wohneigentum zu erfüllen, der sollte das tun, auch wenn die Möglichkeit, einen günstigen Kredit aufnehmen zu können, verlockend erscheint. Zur Miete zu wohnen, ist derzeit schlichtweg rentabler. Zwar steigen auch die Mieten bundesweit stetig an, das aber in wesentlich geringerem Maße als die Kaufpreise . In NRW weist einer aktuellen Studie zufolge der Standort Recklinghausen die günstigsten Mietpreise pro Quadratmeter auf. An zu vermietenden Wohnungen  mangelt es dort ebenfalls nicht . Hinsichtlich des Kaufs einer eigenen Wohnung oder eines eigenen Hauses gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Eine abwartende Haltung und Geduld könnten sich schon bald auszahlen – in Form von satten Preisnachlässen.

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