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Viele Orchideenarten in Deutschland auf dem Rückzug

Arnstadt/Lautertal (dpa) - Manche sind von exotischer Schönheit, andere schlicht wie Mauerblümchen: Fast 60 Orchideenarten wachsen in Deutschland. Einige sind so selten geworden, dass Experten nach ihnen fahnden müssen.

Montag, 21.10.2013, 09:52 Uhr aktualisiert: 21.10.2013, 10:25 Uhr

Die Orchideenbestände in Deutschland schwinden trotz strengen Schutzes. Viele Arten seien auf dem Rückzug, weil ihre Lebensräume eingeschränkt seien oder sich die Umweltbedingungen veränderten, sagte Jutta Haas vom Arbeitskreis Einheimische Orchideen Hessen.

Als Beispiel für eine sehr stark gefährdete Art nannte Haas den Frauenschuh. Experten der Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) aus fast allen Bundesländern treffen sich an diesem Wochenende im thüringischen Arnstadt . Sie wollen die Orchidee des Jahres küren, um auf die Schönheit, aber auch Gefährdung der Pflanzen hinzuweisen.

Viele Orchideen seien sehr spezialisiert und stellten hohe Anforderungen an ihre Lebensräume, sagte Haas. Beim Erhalt einiger Arten gebe es aber auch Erfolge. «Lokal kann man viel erreichen, wenn Naturschützer und Behörden zusammenarbeiten.» Die Arbeitskreise Heimische Orchideen haben nach Schätzungen bundesweit mehr als 2000 Mitglieder, die sich für den Schutz dieser Pflanzen engagieren.

Unter den Orchideen gibt es stattliche Vertreter wie das Männliche Knabenkraut, das ab Ende April auf Wiesen und in lichten Wäldern mit Glück zu finden ist. Es wird bis zu 70 Zentimeter hoch und schmückt sich mit bis zu 30 purpurrot gefärbten Blüten. Viel unscheinbarer ist dagegen beispielsweise das Kleine Zweiblatt.

Sorgen bereitet den Orchideenschützern seit Jahren der Frauenschuh, die wohl bekannteste Orchideenart , die bundesweit vorkommt. «Er ist extrem gefährdet», sagte Haas. 2010 war die aparte Pflanze bereits zum zweiten Mal Orchidee des Jahres. Nennenswerte Bestände der bis zu 60 Zentimeter hohen Pflanze mit der an einen Schuh erinnernden Blüte gebe es noch in Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg sowie Niedersachsen und Hessen.

Ihr Lebensraum - lichte, krautreiche Nadel- oder Laubmischwälder auf meist kalkreichen Lehm- und Tonböden - ist durch die Aufgabe traditioneller Waldnutzungsformen sowie Stickstoffeintrag aus der Luft beeinträchtigt, wie Naturschützer beobachteten.

Die Arbeitskreise wählen seit 1988 die Orchidee des Jahres, die damit besondere Aufmerksamkeit erhalten soll. Die Hauptblütezeit der Pflanzen mit den meist exotisch anmutenden Blüten ist im Mai/Juni. Viele von ihnen bevorzugen laut Haas warme Muschelkalkböden. Thüringen, Nordhessen, Bayern oder Baden-Württemberg gehörten zu den Regionen mit dem größten Artenreichtum.

Orchidee des Jahres 2014: «Blattloser Widerbart»

Der «Blattlose Widerbart» ist die Orchidee des Jahres 2014. Die Vorstände des Arbeitskreises Heimische Orchideen der Bundesländer kürten die seltene Pflanze am Samstag bei einer Tagung im thüringischen Arnstadt. Die Blüte der Orchidee weise die Besonderheit auf, dass die Blütenlippe anders als bei ihren Verwandten nach oben zeige, teilte der Arbeitskreis mit. Den Namenszusatz blattlos trägt die Pflanze, weil ihr bis zu zwanzig Zentimeter langer Stängel keine Blätter hat. Der «Widerbart» braucht kein Chlorophyll. Er lebt gemeinsam mit Bodenpilzen, mit deren Hilfe er abgestorbene organische Bodensubstanzen aufnimmt.

Seit 1988 wird jährlich eine besonders gefährdete Art als Orchidee des Jahres ausgewählt, um für einen besseren Schutz der rund 60 in Deutschland vorkommenden Arten zu werben. Derzeit trägt das «Purpurne Knabenkraut» den Titel als Orchidee des Jahres.

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