Ausstellung im Kunsthaus Kannen widmet sich der Wiederholung in keramischen Objekten
In der Variation liegt Stille

Münster -

In der neuen Ausstellung „Immer wieder das Gleiche tun – Wiederholung in keramischen Objekten“ im Kunsthaus Kannen, dem Museum für Art Brut und Outsider Art am Alexianerweg, präsentieren sich zurzeit sechs Künstler.

Samstag, 24.05.2014, 18:05 Uhr

Hübsch präsentiert: die turmförmigen Keramiken, die Helmut Licznierski (Bild rechts) seit vielen Jahren im Atelier des Kunsthauses Kannen aus Ton formt.
Hübsch präsentiert: die turmförmigen Keramiken, die Helmut Licznierski (Bild rechts) seit vielen Jahren im Atelier des Kunsthauses Kannen aus Ton formt. Foto: bra

Helmut Licznierski sitzt in seiner kobaltblauen Schürze auf einem hölzernen Schemel im Kunstatelier. Routiniert zwackt er nach und nach pflaumengroße Stücke von dem feucht-kühlen Tonklumpen ab, der vor ihm auf der Arbeitsplatte liegt. Mit der Hand rollt er die ockerfarbenen Flatschen zu kleinen Würstchen, nicht dicker als sein Daumen. Die stapelt er im Viereck übereinander. Peu à peu baut Licznierski seine turmförmigen Keramiken. Jeden Montag geht das so, schon seit vielen Jahren. Doch niemals sind zwei Türme identisch.

In der neuen Ausstellung „Immer wieder das Gleiche tun – Wiederholung in keramischen Objekten“ im Kunsthaus Kannen , dem Museum für Art Brut und Outsider Art am Alexianerweg, präsentieren sich zurzeit sechs Künstler. „In der zeitgenössischen Kunst sind Keramiken wieder ganz aktuell“, sagt Lisa Inckmann , die Leiterin des Kunsthauses. Die Schau zeigt die Resultate der Auseinandersetzung mit dem immergleichen Motiv.

Zwei Künstler, Helmut Licz­nierski und Paul Berger , leben im Wohnbereich der Alexianer . Berger hat in den vergangenen Jahren Dutzende sitzender Figuren geformt, sie in verschiedene Farben gekleidet und anschließend gebrannt. Entstanden ist eine Gesellschaft friedlich am Boden sitzender, einander recht ähnlich sehender Figuren, die in ihrer Glasur ein breites Farbspektrum abbilden.

Der Niederländer Leo de Ruyter formt kleine Geister, jeder sieht anders aus, alle sind allerdings – für einen Geist ungewöhnlich – freundliche Gestalten. Pascal Tassini aus Belgien formt sehr unterschiedliche Fantasiegebilde, die mitunter an aztekische Götterfiguren erinnern. Karin Nordkamp und Norris Francisca aus den Niederlanden haben Schalen beziehungsweise Katzen aus Ton hergestellt. Und obwohl die Motive eigentlich immer die gleichen sind, ist jedes Teil anders.

Die Serialität der Exponate hat etwas Meditatives, Stilles an sich, auch etwas Bodenständiges und Griffiges. Das ist sicher auch dem Material geschuldet. Aber nicht nur, sagt Inckmann: „Im Tun ist man mit dem Material verbunden, es ist eine Verwirklichung in der Welt. Der Rhythmus bildet eine Harmonie, in der immer wieder etwas Neues entsteht.“ An dieser speziellen Art der Verortung der eigenen Person in der Umgebung können auch die Besucher teilhaben: In der Werkstatt darf jeder selbst kleine Köpfe aus Ton formen, die später gebrannt werden und den Garten des Kunsthauses als große Außeninstallation verschönern.

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Zu sehen sind die Werke bis zum 28. September. Di. bis So. 13 bis 17 Uhr, Führungen wochentags nach Vereinbarung.

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