Mickie Krause am 16. August bei großer Schlagerparty
„Trotzdem liebe ich diesen Job“

Wettringen - Alles, was Stimmung beim Partyvolk am Ballermann macht, ist Mickie Krause recht. Dazu gehören vor allem derbe Texte wie „Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“. Da ist der 44-Jährige ganz pragmatisch. Unkompliziert gab sich der Wettringer auch bei der Anfrage zum Interview. Ein Anruf, und der Termin am nächsten Tag stand. Ein Gespräch auf dem Weg zum Frisör.

Dienstag, 29.07.2014, 11:07 Uhr

Mickie Krause am 16. August bei großer Schlagerparty : „Trotzdem liebe ich diesen Job“
Mickie Krause: „Dieses Gemeinschaftsgefühl, das vielen heutzutage fehlt, kann man in der Gemeinde ausleben.“ Foto: Agentur

Wie sieht für Sie ein perfekter Sommertag aus?

Krause: Der muss nicht unbedingt auf Mallorca sein, der kann auch in Deutschland stattfinden. Morgens um 8 oder 9 Uhr aufstehen, dann erstmal schön auf der eigenen Terrasse im Münsterland ausgiebig frühstücken, nach dem Frühstück gerne eine Stunde joggen gehen, danach ab in den Pool und dann mal schauen, wie viele Aperol noch bestellt werden an dem Tag.

Open-Air-Schlagerparty

Heino mitsamt Band und Chor, Peter Wackel, Anna Maria Zimmermann, Mickie Krause, Sandy Wagner und viele andere Schlagerstars. Alle. An. Einem. Abend. Das ist für einige die Vorstellung von Hölle – und für viele der (Schlager-)Himmel. Eines ist schon jetzt klar: Das wird die größte Open-Air-Schlagerparty, die das Münsterland je gesehen hat. Das Konzert findet am 17. August (Samstag) um 17 Uhr auf dem dem Udo-Lindenberg-Platz 1 vor dem Rock'n'Popmuseum Gronau statt. Tickets : 24,30 Euro. Weitere Infos hier

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Welche Rolle spielt Heimat für Sie?

Krause: Heimat bedeutet für mich: wieder nach Hause kommen, der sein, der ich auch wirklich bin, ich muss mich also in meinem Dorf, in dem ich geboren bin, in dem ich aufgewachsen bin, Fußball gespielt habe und bei den Pfadfindern war, nicht verstellen. Die Leute kennen mich. Ich bin sogar im Schützenverein.

Feste im Schützenverein sind Ihnen ja genauso wichtig wie ein Auftritt bei „Wetten, dass..?“…

Krause: Definitiv. Dieses Gemeinschaftsgefühl, das vielen heutzutage fehlt, kann man in der Gemeinde ausleben. Deshalb wohnen wir hier in Wettringen . Ich wohne immer noch hier, bin nicht weggezogen. Ich hatte zwischendurch mal eine Wohnung in Köln, aber ich war immer froh, wenn ich zurückkommen konnte.

Weggehen kommt also nicht in Frage?

Krause: Ich kann mir schon vorstellen, später, wenn die Kinder groß sind, in eine andere Stadt zu ziehen. Aber immer mit der Gewissheit, jederzeit zurückkommen zu können.

Könnten Sie sich vorstellen, nach Mallorca auszuwandern?

Krause: Ich habe ja ein Haus dort und man kann jederzeit da hin. Ich bin von Münster in zwei Stunden in Palma. Die Winter können dort aber auch sehr langweilig werden. Ich muss nicht unbedingt auf Mallorca überwintern. Da kann ich mir eher drei Monate in Berlin oder Hamburg vorstellen, vielleicht aber auch auf den Kanaren oder Fuerteventura, wo tolles Wetter ist. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, wenn’s bei mir mal ruhiger wird, die Welt zu entdecken.

Mickie Krauses Markenzeichen ist eine blonde Perücke. Damit will der 44-Jährige sein Privatleben schützen. Ohne sieht man ihn nur beim Steinfurter Marathon, den er regelmäßig mitläuft. Dann unter bürgerlichem Namen: Michael Engels.

Mickie Krauses Markenzeichen ist eine blonde Perücke. Damit will der 44-Jährige sein Privatleben schützen. Ohne sieht man ihn nur beim Steinfurter Marathon, den er regelmäßig mitläuft. Dann unter bürgerlichem Namen: Michael Engels.

Von außen betrachtet ist Ihr Leben ein einziger Sommer, von innen ist das aber wahrscheinlich etwas anders.

Krause: Klar, ich habe 360 Tage im Jahr Sommer, deshalb bin ich wahrscheinlich auch so gut gelaunt. Ich bin so viel von Sonne und gutem Wetter umgeben! Von Mai bis September trete ich einmal pro Woche auf Mallorca auf. Das heißt, ich darf jeden Dienstag in die Sonne fliegen. Die meisten Leute denken immer, ich bin den ganzen Sommer über auf Mallorca. Dem ist aber leider nicht so. Das ist nur so, wenn ich mit meiner Familie auf Mallorca Urlaub mache.

Ich dachte, Mallorca wäre eine reine Arbeitsinsel für Sie?

Krause: Natürlich, das ist eine Arbeitsinsel für mich. Aber jetzt sind ja auch Sommerferien und ich habe schulpflichtige Kinder. Das heißt, wir machen ganz normal Sommerferien. Ich muss im Sommer auf Mallorca arbeiten, ich hab da meine Auftritte und kann schlecht sagen: Ich will mal woandershin. Das wäre so, als würden die Höhner in der Karnevalszeit Urlaub machen. Ich verbinde Arbeit und Familie miteinander und nenne das dann Wohnsitzverlagerung für vier Wochen.

Sie sind Berufspendler. Ist das sehr stressig?

Krause: Ja, das ist das eigentlich Stressige an dem Job. Es geht nicht um die Auftritte, die machen Höllenspaß. Ich habe ja mein Hobby zum Beruf gemacht. Aber es ist sehr anstrengend: jeden Dienstag vom Flughafen nach Palma und am nächsten Tag wieder zurück. Letztens war Fluglotsenstreik in Frankreich, da saß ich schon in der Maschine, die dann gecancelt wurde, und ich musste wieder raus. Das ist das einzig Unangenehme an dem Job, dieses ständige Pendeln und Fliegen. Gestern allein wieder 50 Minuten Verspätung gehabt. Das macht dauerhaft nicht wirklich Spaß.

Macht Ihnen dieser Wetterwechsel zu schaffen?

Krause: Wenn ich ehrlich bin: Ja, der macht mir zu schaffen. Ich habe schon oft leichte Kreislaufprobleme gehabt, wenn ich von 35 Grad Celsius auf Mallorca zurück nach 12 Grad und westfälischer Nieselregen geflogen bin. Das merke auch ich in meinem jungen Alter.

Und was ist dann mehr Ihrs: die 35 Grad oder der westfälische Nieselregen?

Krause: Die 35 Grad. Ich bin ein sommerlicher Typ.

Trotz der Hitze trainieren Sie Marathon.

Krause: Ja, ich trainiere auch auf Mallorca. Wenn man die Absicht hat, einen Marathon zu laufen, dann muss man sehr konsequent diesen Marathonplan über drei Monate einhalten, bis zu fünf Mal pro Woche und 80, 100 Kilometer trainieren. Da muss man sehr straight und diszipliniert sein – auch bei 45 Grad.

Wie geht diese Disziplin zusammen mit dem Bild des Partysängers?

Krause: Ich stehe ja 250 Mal im Jahr auf der Bühne, heute in Düsseldorf, morgen in München und dann geht’s noch mal eben in die Schweiz rüber. Da muss man diszipliniert sein, sich an Ablaufpläne halten. Sonst kommt man nicht pünktlich um 21 Uhr auf die Bühne. Kommenden Samstag zum Beispiel ist es so: Da bin ich um 17.30 Uhr in Bremen, um 21 Uhr in Hamm und um 1 Uhr noch mal in Bottrop. Wenn ich diesen Job nicht professionell betreiben würde, könnte ich keinem Veranstalter zusichern, auch wirklich an dem Abend aufzutreten.

Das klingt nach Stress!

Krause: Ab und zu ärgere ich mich schon darüber, wenn Leute meinen Job belächeln. Wenn ich sage: Ich muss heute noch arbeiten, gibt’s manchmal dumme Kommentare nach dem Motto: Ach, arbeiten nennst du das. Aber trotzdem liebe ich diesen Job.

Kostet es Sie dann Überwindung, auf der Bühne ein Lächeln aufzusetzen?

Krause: Nein, ich bin ja nicht mehr dieser Schmuddelsänger von 1998, „Zehn nackte Frisösen“, „Zeig doch mal die Möpse“, sondern habe mich in den letzten Jahren mit „Nur noch Schuhe an“ oder „ Schatzi, schenk mir ein Foto “ auch musikalisch weiterentwickelt, einem noch größeren Publikum geöffnet und bin kompatibler und erwachsener geworden. Das sehen die Leute auch und haben Gott sei Dank noch viel Spaß an dem, was ich mache.

 

Wenn Sie so viel unterwegs sind, fahren Sie dann im Tour-Bus?

Krause: Ich bin mit meinem Fahrer alleine unterwegs, da reicht ein schickes schnelles Auto aus Stuttgart. Das ist so ausgestattet, dass ich darin fernsehen und schlafen kann. Der Sitz hat auch eine Massagefunktion. Ich fahre 120 000 bis 150 000 Kilometer im Jahr, da ersetzt das Auto im Grunde mein Büro.


 

Zur Person

Mickie Krause heißt mit bürgerlichem Namen Michael Engels und wurde am 21. Juni 1970 in Wettringen im Kreis Steinfurt geboren. Dort lebt der gelernte Jugend- und Heimerzieher mit seiner Frau und drei Töchtern. Der Durchbruch als Sänger gelang ihm 1999 mit dem Titel „Zehn nackte Frisösen“. Seither ist er neben Jürgen Drews (Dülmen) einer der erfolgreichsten Unterhalter am Ballermann.

 
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