Freunde des treibenden Beats
Die Böhmischen Drei-Zehn überraschen die Blasmusikszene und stellen in der Heimat ihrer Musik eine neue Scheibe vor

Er hat jahrelang in der Führungsebene einer Versicherung gearbeitet, kümmert sich dort jetzt um den Bereich Innovation, berät Unternehmen bei Change-Management-Prozessen – aber bei der Musik mag er es lieber traditionell: Tubist Ralf Heinisch ist zusammen mit Schlagzeuger Manni Huesmann Begründer der „Böhmischen Drei-Zehn“. Der bekennende Ernst-Mosch-Fan ist ein bisschen Kopf, jede Menge Herz und vor allem Bauch der Münsterländer Egerländer.

Mittwoch, 13.08.2014, 15:08 Uhr

Dabei findet Heinisch die Polka alles andere als traditionell. In seinem CD-Regal steht Ernst Mosch neben Quincy Jones und Earth, Wind and Fire. „Ich bin leidenschaftlicher Freund von treibenden, tanzbaren Beats“, sagt der 48-Jährige aus Altenberge . Und da stehe die Polka nur einen Schritt rechts vom Funk.

Mit seiner Tuba ist er der Bassist der Band, gibt Liedern wie der Dampfnudelpolka, der Mohnbuchtel-Polka oder „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ den Halt. Und das mit Erfolg: An diesem Samstag werden die Musiker aus Altenberge, Münster , Saerbeck, Emsdetten, Wettringen und dem Sauerland in der Nähe der tschechischen Grenze auftreten, um dort ihre CD vorzustellen.

Warum holt ein Veranstalter in Plauen ausgerechnet Musiker aus dem Münsterland zu sich? Peter Voigt, der die Band engagiert hat, bezeichnet die Auswahl als eher zufällig. „Da unsere vogtländische Heimat direkt an das Egerland angrenzt, ist es bei uns schon Tradition, Böhmische oder Egerländer Blasmusik zu unseren Festen vorzustellen“, sagt das Mitglied des SV Plauen-Oberlosa 04. Gefunden hat er die „Böhmischen Drei-Zehn“ im Netz, ohne zu wissen, woher die Kapelle kommt. Weil ein Hotel vor Ort aber die Übernachtung übernimmt und die Band aufs Honorar verzichtet, wurden sich die beiden Seiten trotz der langen Anreise einig.

Die Münsterländer sind stolz auf den Erfolg. Ralf Heinisch hat für seinen ersten selbst komponierten Song „Ein Groove aus der Küche“ gleich ein dickes Lob von Michael Kuhn bekommen. Kuhn ist in der Polka-Szene einer der prominentesten Arrangeure. Er schreibt in einer Mail: „Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, dass mir Ihre Melodie sehr gut gefällt. Ich hoffe sehr, dass das Stück dank Ihrer Idee zu einem Blasmusikhit in NRW und darüber hinaus wird.“

Hört sich ganz so an, als ob der Wunsch Wirklichkeit wird: In der – ebenfalls vor allem der Polka-Szene bekannten – „Berg­echo-Hitparade“ hat es das Lied in die Liste der platzierten Neuvorstellungen geschafft.

Und Gregor Steer, Moderator der Sendungen „Zeit für Blasmusik“ und „Frisch ausgepackt“ beim Internet-Radio „Schwabenwelle.de“ beschreibt Heinischs Komposition als „eingängige Melodie, die sofort ins Ohr geht und dadurch ,Ohrwurmcharakter‘“ hat. Steer gratuliert Ralf Heinisch zu diesem Erstlingswerk und wünscht ihm noch weitere „solch guten Einfälle.“ Er sei überzeugt, dass sich seine Komposition bei den Blaskapellen und Musikvereinen durchsetzen werde. Zu diesem Zweck bringt ein Verlag die Noten auch zu Papier. Damit haben es andere Bands in Zukunft leicht, „Ein Groove aus der Küche“ nachzuspielen.

Heinisch freut sich, mit seiner CD die Egerländer Musik lebendig zu halten. Dabei steht er in seiner westfälischen Heimat mit der Begeisterung für diese Volksmusik ziemlich allein. Zwar nicht so komplett, wie man auf den ersten Blick meinen könnte: In Havixbeck zum Beispiel sind noch die „Original Baumberger Musikanten“ mit dieser Musik unterwegs.

Aber dass ein paar Flachlandtiroler mit ihrer neuen CD jetzt dafür sorgen, dass Lieder wie die „Dampfnudelpolka“ oder die „Mohnbuchtel-Polka“ wieder in CD-Geschäften und bei Internet-Anbietern auftauchen, dass hätten sich die Böhmischen Drei-Zehn so bis vor Kurzem nicht vorstellen können.►  CD: „Ein Groove aus der Küche“: Die Böhmischen Drei-Zehn, 14,95 Euro

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