Bergsteiger-Legende Reinhold Messner
Keine Angst vor dem Tod

Münster -

Am 2. April 2016 kommt Bergsteiger-Legende Reinhold Messner nach Münster. Im Interview mit unserer Zeitung blickt er auf seine großartigsten Erfahrungen zurück und erklärt, warum er keine Angst vor dem Tod hat.

Mittwoch, 23.03.2016, 10:03 Uhr

Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kommt am 2. April nach Münster. In der Halle Münsterland wird er auf sein bewegtes Leben zurückblicken.
Bergsteiger-Legende Reinhold Messner kommt am 2. April nach Münster. In der Halle Münsterland wird er auf sein bewegtes Leben zurückblicken. Foto: dpa, Montage: gap

Reinhold Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Als Erster hat er den Mount Everest – den höchsten Berg der Erde – ohne Sauerstoffgerät bestiegen, auch alle anderen Berge über 8000 Meter bezwang der Südtiroler. „Überleben“ heißt die Vortrags-Tournee, die den 71-Jährigen am 2. April auch nach Münster führen wird (20 Uhr, Halle Münsterland). Mit Messner sprach unser Redakteur Martin Kalitschke .

Herr Messner, Sie haben sämtliche Gipfel bestiegen, die höher als 8000 Meter sind. Wann haben Sie sich zuletzt an einem 8000er versucht?

Messner: Das war 2000, am Nanga Parbat, ich habe den Versuch allerdings abgebrochen. Den letzten 8000er habe ich 1986 bestiegen – also vor 30 Jahren.

Damals waren Sie noch jung. Warum haben Sie danach keine 8000er mehr bestiegen?

Messner: Weil ich alle etwa 15 Jahre etwas Neues machen will. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt alle 8000er bestiegen, das zu wiederholen, wäre nur langweilig gewesen. Ich habe dann begonnen, die Sand- und Eiswüsten der Erde zu erkunden, mich also in eine ganz neue, ganz andere Welt zu begeben. Später habe ich dann meine Museen aufgebaut – die allerdings nicht auf mich als Person fokussiert sind, so etwas wäre nur peinlich. Meine Aufzeichnungen sollen später einmal andere auswerten.

Der Abenteurer Reinhold Messner

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  • Der Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner (r) spricht am Donnerstag (27.05.2010) beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Sportplatz des Sportzentrums Rungg in Eppan (Südtirol/Italien) mit dem Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Joachim Löw (l). 

    Foto: dpa
  • Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wandert am 05.08.2006 während ihres Urlaubs zusammen mit Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner auf den Monte Rite zum Messner Mountain Museum. Messner erklärte der Kanzlerin bei der Wanderung die Gipfel der Dolomiten die den Monte Rite umgeben. 

    Foto: dpa
  • Der Bergsteiger Reinhold Messner (r) überreicht am Sonntag (19.12.2010) im Kurhaus in Baden-Baden dem Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm stellvertretend für die Mannschaft die Siegertrophäe für Sportlermannschaft des Jahres. 

    Foto: dpa
  • Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wandert am 05.08.2006 während ihres Urlaubs zusammen mit Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner auf den Monte Rite zum Messner Mountain Museum. Messner erklärte der Kanzlerin bei der Wanderung die Gipfel der Dolomiten die den Monte Rite umgeben. 

    Foto: dpa
  • Der ehemalige Extrembergsteiger Reinhold Messner, aufgenommen am 19.01.2016 in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Vortragsraum bei der Reisemesse Caravan Motor Touristik (CMT). 

    Foto: dpa
  • Der Bergsteiger Reinhold Messner in einer Szene des Kinofilms "Messner" (undatierte Filmszene).

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  • Reinhold Messner am 28. Juni 2014 bei der Enthüllung der Skulptur "Crown of the Himalayas" in Polen.

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  • Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner (l) und sein österreichischer Begleiter Peter Habeler (Archivbild von 1975). Als erste Bergsteiger haben beide am 8. Mai 1978 ohne Sauerstoffgerät den Mount Everest, den höchsten Gipfel der Welt bezwungen. 

    Foto: dpa
  • Der südtiroler Bergsteiger und Buchautor Reinhold Messner bei der Vorstellung des Buches "Berge aus dem All" am Donnerstag (27.10.2005) in Köln. 

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  • Der Extrembergsteiger und Abenteurer Reinhold Messner, aufgenommen am 03.11.2013 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). 

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  • Lachend halten der Vizepräsident des Deutschen Fußballverbandes, Franz Beckenbauer, und der Extrembergsteiger Reinhold Messner (r) am Freitag (08.12.2000) in Berlin den Medienpreis "Bambi" in den Händen, der ihnen während einer Gala im Hotel Estrel verliehen wurde.

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  • Der Extrembergsteiger Reinhold Messner steht unterhalb seiner Burg Juval im Vinschgau/Südtirol und schaut in die Ferne (Aufnahme vom März 1994).

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  • Reinhold Messner (l), Extrem-Bergsteiger aus Tirol, steht am Samstag (22.05.2010) bei einem Empfang auf Schloss Sigmundskron bei Bozen (Südtirol/Italien) neben dem Team-Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff (r).

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  • Der Bergsteiger Reinhold Messner posiert am 30.03.2009 in Berlin bei einem Fototermin zum Film "Nanga Parbat".

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  • Der Bergsteiger Reinhold Messner kommt am Donnerstag (11.10.2007) im Herkulessaal in München (Oberbayern) zu der Premiere des neuen Kinofilms "Lissi und der wilde Kaiser".

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  • Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wandert am 05.08.2006 während ihres Urlaubs zusammen mit Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner auf den Monte Rite zum Messner Mountain Museum. Messner erklärte der Kanzlerin bei der Wanderung die Gipfel der Dolomiten die den Monte Rite umgeben. 

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  • Der Regisseur Joseph Vilsmaier (l) und der Extrembergsteiger Reinhold Messner kommen am Montag (11.01.2010) zur Premiere ihres Films"Nanga Parbat" ins Sendlinger Tor Kino in München (Oberbayern). Die Dokumentation soll die Geschichte der beiden Messner-Brüder und der tragischen Nanga-Parbat-Expedition von 1970 zeigen, bei der Messners jüngerer Bruder ums Leben kam.

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  • Der Extrembergsteiger Reinhold Messner steht am 06.09.2005 auf dem Zugspitzplatt in Bayern.

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  • Das Archivbild zeigt den Extremsportler, Bergsteiger und Abenteurer Reinhold Messner am 03.01.1997 in Bremen. 

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Ein Herzensanliegen war Ihnen schon immer der Natur- und Umweltschutz.

Messner: Ja, ich gehe allerdings nicht auf die Bühne und sage: So oder so müssen Sie sich verhalten. Nein, ich bin ein Praktiker, der die Dinge beschreibt, wie sie sind. Nehmen Sie die globale Erwärmung, die ja eine Tatsache ist. Wenn Wissenschaftler sagen, wir müssen die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen, dann ist das einfach überheblich. Wir können den CO-Ausstoß senken, aber wir können der Natur nicht vorschreiben, wie sie sich verhält. Jedenfalls wird es in den nächsten 100 Jahren kaum möglich sein, die Fehler der vergangenen 100 Jahre zu beheben.

Wann haben Sie die ersten Anzeichen für einen Klimawandel registriert?

Messner: Das ging vor zwei Jahrzehnten los. In den Gebirgen merkt man viel früher, dass sich etwas verändert. Der Schwund des Permafrostes ist enorm. Dass sich das Klima radikal und sehr schnell ändert, habe ich seitdem immer wieder öffentlich gesagt.

Auf den Mount Everest zieht es immer mehr Menschen. Sind Sie da ein wenig mit Schuld?

Messner: Nein, denn das, was die Menschen da betreiben, ist kein Alpinismus, das ist Tourismus. Sie können den Mount Everest heute schon für 50 000 bis 100 000 Dollar buchen. Es ist ein Geschäft geworden. Menschen befriedigen mit dem Aufstieg auf den Mount Everest ihre Eitelkeit – eine Erfahrung wie früher ist das nicht mehr. Dieses Massengeschäft hört erst auf, wenn jeder Nachbar auch mal auf dem Gipfel stand und der letzte Hauch Exklusivität weg ist, aber das kann noch 100 Jahre dauern. Die Sherpas stellen sich darauf ein, begleiten diesen Massentourismus, bauen eine Piste bis zum Gipfel, mit Hunderten Leitern, Seilen, Sauerstoff-Stationen. Das wird erst wieder aufhören, wenn die Welt verstanden hat, dass Tourismus nichts mit Alpinismus zu tun hat.

Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken – gibt es Lieblingsorte?

Messner: Ich war mit meinem Sohn im Wadi Rum in Jordanien, nicht weit weg von der antiken Stadt Petra. Dort gab es großartige Felsen. Heute kann man da nicht mehr hin, heute sind dort Terroristen.

In Münster werden Sie aus Ihrem bewegten Leben erzählen.

Messner: Ich werde Geschichten erzählen, die vor allem auf dem Thema Eigenverantwortlichkeit aufbauen. Das Besondere an der wirklichen Abenteuerei ist, dass es in absoluter Eigenverantwortung stattfindet. In unserer Zivilisation hingegen sind wir ja ununterbrochen abgesichert. Das heißt, unsere Zivilisation, die seit 10 000 Jahren bequemer und bequemer wird, ist nichts anderes, als eine Absicherungshysterie.

Auftritt in Münster

2. April 2016 (Samstag), 20 Uhr, Halle Münsterland. Karten gibt es unter anderem im WN-Ticketshop am Prinzipalmarkt.

...

Besteigen Sie heute eigentlich noch Berge?

Messner: Ja, am liebsten mit meinem Sohn, aber meine Möglichkeiten sind natürlich beschränkt, und ich will mich auch nicht überfordern, ich gehe mit meinen Möglichkeiten vernünftig um. 7000er und 8000er werde ich nicht mehr besteigen.

Sie mussten sich oft mit Angst und Tod auseinandersetzen? Haben Sie heute Angst vor dem Tod?

Messner: Der Tod bedeutet, sich in Zeit- und Raumlosigkeit zu verlieren. Meines Erachtens gibt es keinen schöneren Zustand. Als ich 60 Jahre alt war, habe ich die Wüste durchquert und erkannt, dass jetzt das Altern beginnt. Allein in eine Wüste hineinzugehen und sich dort zu verlieren, ist ein schönes Bild, dass auf das Sterben vorbereiten kann. Ich habe keine Angst vor diesem Nichts.

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