76. Telgter Krippenausstellung
Der Stern weist den Weg

Telgte -

Die 76. Telgter Krippenausstellung ist kunstvoll und reichhaltig. Unter dem Motto „Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“ präsentiert sie 120 Arbeiten von Künstlern und Laien. Viele der Ausstellenden widmen sich politischen Themen wie Flucht oder Krieg.

Freitag, 25.11.2016, 18:11 Uhr

Die Heilige Familie tritt durch die Mauer: Diese Arbeit von Marlene Moss aus Kiel lässt in einer von Krieg und Abschottung geprägten Welt viele Deutungen zu.
Die Heilige Familie tritt durch die Mauer: Diese Arbeit von Marlene Moss aus Kiel lässt in einer von Krieg und Abschottung geprägten Welt viele Deutungen zu. Foto: Wilfried Gerharz

Welche stacheldrahtbewehrte Mauer ist das, durch deren Spalt Maria und Josef mit dem Jesuskind ins Freie treten? Ist es die – längst abgerissene – Berliner Mauer, ist es der auf dem Balkan errichtete Abschottungswall gegen die Flüchtlinge in Europa, ist es gar die Mauer, die Donald Trump gegen mexikanische Einwanderer bauen will? Die Arbeit von Marlene Moss aus Kiel lässt viele Deutungen zu, schließlich könnte es sich ja auch um die Mauer und das Bollwerk in unseren Köpfen handeln.

Als besonders sinnfällige Arbeit steht diese Krippendarstellung an einer besonders markanten Stelle der 76. Telgter Krippenausstellung . Sie präsentiert 120 Arbeiten von 90 Künstlern und krippenschaffenden Laien im Alter zwischen drei und 90 Jahren. Fünf im Kleihues-Bau, den überwiegenden Teil im Altbau-Erdgeschoss des Museums .

76. Krippenausstellung in Telgte

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  • Dr. Anja Schöne in ihrer ersten Krippenausstellung als Museumsleiterin des

    „Religio“ in Telgte.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Leo Hungerkamp aus Gescher schuf diese Krippe mit dem Titel „Vielfalt Leben – Annäherung“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Leo Hungerkamp aus Gescher schuf diese Krippe mit dem Titel „Vielfalt Leben – Annäherung“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Unter dem Stern von Bethlehem fanden sie sich zusammen“: Krippen-Rondell mit drei Szenen, geschaffen von Mitarbeitern der Stichting R. K. Erfgoed zu Leidschendam-Voorburg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Unter dem Stern von Bethlehem fanden sie sich zusammen“: Krippen-Rondell mit drei Szenen, geschaffen von Mitarbeitern der Stichting R. K. Erfgoed zu Leidschendam-Voorburg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Unter dem Stern von Bethlehem fanden sie sich zusammen“: Krippen-Rondell mit drei Szenen, geschaffen von Mitarbeitern der Stichting R. K. Erfgoed zu Leidschendam-Voorburg.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Leo Hungerkamp aus Gescher schuf diese Krippe mit dem Titel „Vielfalt Leben – Annäherung.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Stern über Bethlehem“: Skulptur aus Baumberger Sandstein von Stefan Lutterbeck aus Everswinkel.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Geburt Christi“: Figuren aus Bast von Christel Wimmer, Bonn.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dr. Anja Schöne in ihrer ersten Krippenausstellung als Museumsleiterin. Der Raum wurde mit einer Gruppenarbeit der Gruppe „tx 02“ gestaltet, der das Fluchtmotiv unserer Zeit aufnimmt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Ein Tipi für Jesus“: Gemeinschaftsarbeit von Kindern der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Detail eines großen Weihnachtssterns von Birgit Reinken aus Münster. Der Stern ist Teil einer Gruppenarbeit der Künstlergruppe „tx 02“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ursula Messner aus Nordkirchen schuf diese Krippendarstellung aus Papier.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Stern, Wegweiser zur Krippe“: Krippendarstellung von Paula Pabst aus Nottuln-Darup.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Wie ein Licht in der Nacht“: Windspiel aus gefalteten und mit Wachsmalkreide bemaltem Papier von Maria Schlüter und ihrem Enkel Karl Henri Lütkehaus.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Der Stern zeigt den Ausweg“: Die Heilige Familie in einer Fluchtsituation an einer Grenzmauer, geschaffen von Marlene Moss aus Kiel.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Rudolf Schöpper (1922-2009): Christi Geburt in einer zeitgenössischen Straßenszene.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „...unter demselben Stern“: Zeichnung mit Buntstiften von Claudia Onnebrink aus Münster.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Willi Witte: „Heilige Familie“, Relief aus Lindenholz

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Seht, der Erlöser“: Überlebensgroße Schnitzarbeit von Ernst Franz aus Unterammergau.

    Foto: Wilfried Gerharz

„Stern über Bethlehem , zeig uns den Weg“, so lautet die bekannte Bildzeile des modernen geistlichen Liedes von Alfred Hans Zoller aus dem Jahre 1963, die programmatisch über der Schau steht. Es ist die erste, die Dr. Anja Schöne als neue Museumsleiterin verantwortet, und sie wirkt künstlerisch reichhaltig, thematisch konzentriert und in ihren fantasievollen Ausdrucksformen faszinierend wie eh und je.

Zumal der Stern als Symbol für Künstler ein dankbares Motiv ist. Ob er nun groß und leuchtend über dem Krippengeschehen steht oder eher unscheinbar den Weg weist. Zugleich will dieser Stern in der Telgter Ausstellung die Richtung weisen für alle, die auf der Suche nach einem neuen Ziel und einer neuen Heimat sind. Das sind in unserer Zeit gerade die Flüchtlinge.

Viele Installationen zeigen Flüchtlinge

Etliche Krippenkünstler nehmen dieses aktuelle Thema in ihre Gestaltungen auf. So tritt es dem Betrachter in der aus Papier geformten Krippe von Ursula Messner aus Nordkirchen entgegen. Sie lässt nicht nur die Könige gen Bethlehem ziehen, sondern von der anderen Seite, wo ein gestrandetes Boot am Gestade zu sehen ist, auch einen ganzen Flüchtlingstreck Richtung Krippe marschieren.

Dr. Anja Schöne hat dem Thema unseres fragilen Weltgefüges mit Krieg, Terror, Flucht und Vertreibung auch einen ganzen Raum gewidmet. Die Objektinstallation „Zeig uns den Weg“ der Künstler-Gruppe „tx 02“ präsentiert unter einem XXL-Stern von Birgit Reinken aus Münster an zentraler Stelle des Raumes einen Menschen-Treck, den Marianne Herbrich aus Münster formte. Körper und Bewegung werden nur durch Holzstäbchen und gehäkelte Textilien angedeutet. Den Zug führt die Heilige Familie an. Auch sie befindet sich auf der Flucht.

Sterne als Signallichter und Richtungsweiser

Sterne in den schönsten Formen und Farben locken das Auge des Betrachters. Wie ein Signallicht in der Finsternis der Welt, wie ein Richtungsweiser. Holzbildhauer Ernst Franz aus Unterammergau hat die Heilige Familie in seiner Schnitzarbeit aus Lindenholz praktisch in den ausladenden Konturen eines großen Schweifsterns integriert. Ingrid Wieland aus Berlin lässt auf ihrem Textilkunstwerk gelbe Sterne auf nachtblauem Grund die heilige Familie umstrahlen.

Eine besondere Form der Abstraktion wählt Bildhauer Hans-Bernhard Vielstädte aus Herzebrock. Er stellt drei goldene Kästchen auf ein Postament, es sind die Gaben der Könige, und lässt darüber einen Stern ebenso goldglänzend aufleuchten. Vielstädte zählt zu den bekannten und beliebten Vertretern münsterländischer Bildhauerkunst in Telgte , ebenso wie Claudia und Willi Potthoff aus Herzebrock, die auch diesmal wieder mit besonders qualitätvollen Holzkrippen vertreten sind.

Keine Telgter Krippenausstellung ohne ein besonderes künstlerisches Sahnehäubchen. In diesem Jahr sind es unter dem Stichwort „Bleistift – Kohle – Scherenschnitt“ sinnfällige Weihnachtsmotive des münsterischen Künstlers und Karikaturisten Rudolf Schöpper (1922-2009). Er arbeitete viele Jahre als Karikaturist für unsere Zeitung und kommentierte das politische Geschehen mit akkurat und pointiert gesetzten Federstrichen. 

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