Konzertwochenende des 80-köpfigen Projektchores in Berchtesgaden und Salzburg
Nicht immer nur „O, Du fröhliche“

Epe/Berchtesgaden -

Dirigent Jürgen Etzrodt und Organisator Erich Münstermann strahlten am Ende zufrieden mit ihren Wunderkerzen um die Wette. Hatten sie doch gerade ein verlängertes Konzert-Wochenende in Berchtesgaden und Salzburg erfolgreich hinter sich. Ihr Projektchor der katholischen Kirchengemeinde St. Agatha Epe zählt 80 Sanges- und Reisefreudige. Münstermann organisierte diese Tour monatelang. Seit fast 50 Jahren hat der Westfale Berchtesgaden als seinen Urlaubsort auserkoren und tief in sein Herz geschlossen.

Donnerstag, 05.12.2019, 08:31 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 09:01 Uhr
Gleich mehrere Auftritte absolvierte der rund 80-köpfige Projektchor am Wochenende in Berchtesgaden und Salzburg. Am Ende brannten die Wunderkerzen – auch bei Dirigent Jürgen Etzrodt und Organisator Erich Münstermann.
Gleich mehrere Auftritte absolvierte der rund 80-köpfige Projektchor am Wochenende in Berchtesgaden und Salzburg. Am Ende brannten die Wunderkerzen – auch bei Dirigent Jürgen Etzrodt und Organisator Erich Münstermann. Foto: Jörg Tessnow

Im Rahmenprogramm des „Berchtesgadener Advents“ standen am vergangenen Wochenende gleich drei Konzerte auf dem Programm. Am Samstagnachmittag konzertierten die Münsterländer auf dem Schlossplatz. Abends folgte das Einsingen in der Stiftskirche mit musikalischer Umrahmung der Vorabendmesse. Am Sonntag gab der Chor ein weiteres Gastspiel zur Gestaltung der Messe im Hohen Dom zu Salzburg mit feierlichem Adventsliedersingen. Kurz in den Bus gestiegen, verabschiedete sich der Kirchenchor auf dem Christkindlmarkt vom Berchtesgadener Publikum. Das war ein recht pralles Pensum.

Bevor aber ein solch großer Chor überhaupt loslegen, beziehungsweise singen kann, muss er erst einmal richtig stehen. Das bedeutet: 80 Personen gilt es in einer sogenannten Stellprobe zu positionieren. Aufgabe des Chorleiters Jürgen Etzrodt ist es darauf zu achten, dass die Stimmlagen ein passend harmonisches Klangbild abgeben.

Unter dem Chor-Motto: „Dem Himmel ein Stück näher, denn wer singt, betet doppelt“, wurde ein Adventsrepertoire konzipiert, welches nicht nur die bekanntesten Weihnachtslieder wiederholend herunterspulen sollte. Die Auswahl der Titel gestaltete sich teilweise überraschend Genre-variabel. So wollten die Münsterländer dem Zuhörer sowohl rhythmisch als auch sprachlich etwas Abwechslung anbieten. Bereits das Intro ließ aufhorchen: Dudelsackspieler Reinhard Kernebeck blies das schottische Traditional „Amazing Grace“ und stand tatsächlich im Kilt auf der Bühne, während Jürgen Etzrodt auf der Trommel wirbelte. Vorher hatten er und Erich Münstermann dem Publikum Wunderkerzen überreicht. Diese Art von Zeremonie erzeugte Neugierde durch ein nicht alltägliches Adventschor-Ambiente.

„Rumms!“ Wenn 80 Schuh-Absätze auf den Boden krachen und „Freedom is coming“ anstimmen, dann ist das eine Aussage. Und: für das ungeübte Christkindlmarkt-Ohr eine kleine akustische Herausforderung. Es durfte mitgeklatscht, mitgestompt werden. Folglich war ein Gospel nicht mehr weit. „Janie Mama – Janie Mama“ frohlockte es aus den westfälischen Kehlen. Da wackelte schon mal kurzweilig ein Tannenzweig im Bühnenhütterl.

Dirigent Jürgen Etzrodt und Organisator Erich Münstermann.

Dirigent Jürgen Etzrodt und Organisator Erich Münstermann. Foto: Jörg Tessnow

Damit das Ganze aber nicht abhob, erdete ein sehr emotional intoniertes russisches Weihnachtslied das Repertoire-Temperament. Aus dem Katalog des katholischen Kirchenliedguts dominierten jetzt leise und feinfühlige Stimmen. Bei den ruhigen und besinnlichen „Herr wir warten“ und „Advent der Christenheit“ bewies der gemischte Chor seine variable Aussagekraft.

Chorleiter Jürgen Etzrodt dirigierte nicht nur, sondern setzte zwischendurch selbst gesanglich elanvolle Akzente. Auch seine humoresken und auflockernden Ankündigungen fanden im Berchtesgadener Publikum heiteren Anklang. Es gab Zwischenapplaus. Auch der Bitte einer Zuhörerin, doch auch ein heimatlich-plattdeutsches Weihnachtslied vorzutragen, kamen die Münsterländer gerne nach. Der Chor wollte jedoch keinesfalls klassisches Weihnachtsliedgut in Frage stellen. Das befindet sich selbstverständlich und überwiegend im saisonalen Programm wieder. Aber: Es müssen ja nicht nur und immer die klassischen Hits sein. Manch ein Mensch erfährt schon nach dem ersten Adventswochenende ein post-akustisches Belastungstrauma. Oder?

Am Montagmorgen hieß es dann Abfahrt in die westfälische Heimat. Dirigent Etzrodt streifte Anzug und Krawatte wieder ab, und saß zusammen mit dem Kollegen Lambert Grothe wieder auf dem 7,5-Tonner-Bock. Beide kutschierten das Reisegepäck des gesamten Chors zurück Richtung Heimat. Organisator Erich Münstermann und seine 80 „Chorlegen“ reisten derweil entspannt mit der Bahn. Nächstes Jahr im August will Münstermann wieder in Berchtesgaden sein, versprach er. Vermutlich wird er dann ein neues Konzept für einen neuen Projektchor im Rucksack dabei haben.

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