Grün-Oase in der City
Nachbarschaft macht die Beete schön – und setzt auf „Running Dinner“

Münster -

Als Gisela und Hans Kühn vor 30 Jahren in die Habichtshöhe 1 zogen, reichte eine Nachbarin ihnen einen Kuchen direkt durch die Hecke. „Schön, dass ihr jetzt hier wohnt“, habe sie gesagt, staunt Hans Kühn noch immer über soviel Herzlichkeit. Eine Einstellung, die sich bis heute erhalten hat.

Donnerstag, 18.07.2013, 16:07 Uhr

Die Beete am Heimstättenweg haben die Nachbarn in Eigeninitiative bepflanzt.
Die Beete am Heimstättenweg haben die Nachbarn in Eigeninitiative bepflanzt. Foto: Peperhowe

An der Ecke Heimstättenweg/ Habichtshöhe in Münster treffen zwei Nachbarschaften aufeinander. Just an dieser Stelle scheint die Geselligkeit beheimatet. Bei einem Mitmach-Frühstück stellten die Anwohner einfach einen langen Tisch und Bänke auf den Bürgersteig, errichteten einen Pavillon gegen das schlechte Wetter. „Und dann hat jeder etwas mitgebracht“, berichtet Organisatorin Doris Heuking von rund 90 Besuchern und zählt auf: „Porzellan und Besteck, Käse, Marmelade und Brötchen . . .“ Bei wichtigen Fußball-Events werden zum Public Viewing Teppiche, Sofas, ja, ganze Wohnzimmer auf die Straße gebracht.

In Heukings Bauch wächst derzeit das jüngste Mitglied der Nachbarschaft heran. „Ab November spielt der Junge mit uns Doppelkopp“, scherzt Hans Kühn . Denn auch das ist inzwischen Tradition bei den Nachbarn. Ähnlich wie ein „Running Dinner“ organisiert, findet das Kartenspiel an verschiedenen Orten statt. Zur Vorspeise mit leckeren Häppchen treffen sich die Spieler etwa bei den Kühns. Die Hauptspeise wird im Hause Heuking gereicht, wo die nächste Runde des Kartenspiels steigt. Und zum Dessert geht’s zu Barbara Koormann.

Unterwegs treffen die Gruppen lachend und johlend auf der Straße zusammen, fragen einander: „Na, wo müsst ihr jetzt hin?“ Am Schluss dann wird bei einem zentralen Buffet „abgerechnet“ und die Siegerehrung zelebriert. Um Termine publik zu machen, stecken die Nachbarn Flugblätter in die Briefkästen. Mund-zu-Mund-Propaganda tut ein Übriges. „Einer bleibt auf der Straße stehen, dann kommt der Nächste dazu – und schließlich ist es ein ganzes Grüppchen“, schildert Gisela Kühn. Guter Multiplikator ist He­ribert Lodweg. Er betreibt am Heimstättenweg einen Schuhladen mit Poststelle. Hier laufen viele Fäden zusammen.

Als die Nachbarn auf die Idee kamen, die Beete an der Straße selbst zu bepflanzen – „da rannte der Heribert immer, wenn keine Kunden da waren, nach draußen und buddelte weiter“, grinst Mattes Koormann. 100 Leute waren angesprochen worden, gut 20 machten mit. Spendeten Zwiebeln und Stauden. Befreiten die Erde vom Unkraut und legten fünf neue Beete an. Hans Kühn verlagerte gar seinen kompletten Kräutergarten von seinem Haus an die Straßenecke.

In Sachen Nachbarschaft ist Mattes Koormann übrigens Fachmann. Hat der 39-jährige Erzieher doch im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit die Bereitschaft von Menschen erforscht, sich in Nachbarschaften ehrenamtlich zu engagieren. „Das reicht von ,Ich komme und packe mit an`über ‚Ich koche ein Süppchen` bis hin zu ,Ich kann nicht helfen, übernehme aber später gerne die Pflege der Beete´...“

Interessant sei der Begriff des „Letzten Funken Hoffnung“, so Koormann. Stamme er doch aus früheren Zeiten, da Menschen von der Glut ihres Feuers abhängig waren. „Ob Streit unter Nachbarn oder nicht: Wenn das Feuer aus war, half einem der andere mit einem Stück Glut von seiner Feuerstelle.“ In der Not also war man füreinander da, überwand alle Streitigkeiten.

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