Kommentar
Kulturelle Überheblichkeit: Die Folgen des Beschneidung-Urteils

Die Beschneidung ist die älteste und am häufigsten durchgeführte Operation in der Geschichte der Menschheit, lässt uns die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wissen. Und im gleichen Atemzug warnt sie vor dieser Maßnahme, sie stelle ein Trauma dar, welches lebenslange Leidenszustände zur Folge haben könne. Damit wird ein Drittel der männlichen Weltbevölkerung zu potenziellen Opfern gemacht.

Donnerstag, 19.07.2012, 11:07 Uhr

Zugleich wird eine Art die kulturelle und geistige Überlegenheit gegenüber Judentum und Islam postuliert. Was wohl der Namensgeber der Universität Heine dazu sagen würde? Er war Jude. Das Urteil des Kölner Landgerichts, das Bescheidung als unzulässig einstuft, hat eine breite Debatte über Religionsfreiheit, körperliche Unversehrtheit und das Erziehungsrecht von Eltern in Gang gesetzt. Heute wird der Bundestag sich des Themas annehmen.

In ungewöhnlicher Einmütigkeit wollen Regierung und Opposition eine Entschließung verabschieden, die sich gegen ein Verbot der Beschneidung in Deutschland ausspricht. Rechtlich wird das gar nicht so einfach werden. Doch der Wille scheint da, Deutschland nicht zur „Komikernation“ (Merkel) werden zu lassen. Die Beschneidung bleibt juristisch eine „Körperverletzung“, auch wenn sie legitim ist.

Selbstverständlich darf man auch immer Diskussionen darüber führen, ob tradierte Riten noch zeitgemäß sind. Doch der Rigorismus eines generellen Verbots der Bescheidung ausgerechnet in Deutschland zeugt von kultureller Überheblichkeit und Arroganz. Juden und Muslime führen (in unterschiedlicher Art) Beschneidungen aus religiösen Gründen durch, in Amerika ist die Beschneidung auch bei Christen verbreitet.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt teilweise Beschneidungen aus hygienischen Gründen und zur Aids-Prävention. Aber Deutschland will als einziges Land der Welt erklären, wo es lang geht. Das ist der falsche Weg! Beschneidung muss in Deutschland möglich sein. Das bedeutet auch, dass es zulässig ist, eine medizinisch sachgemäße Verrichtung des Vorgangs einzufordern. Es bedeutet auch, dass eine klare Grenze gezogen werden muss zu entwürdigenden Verstümmelungen – wie der weiblichen Beschneidung.

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