Ziemlich dünne Basis
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Albert Schweitzer, Ernesto Cardenal und Jürgen Habermas sind Preisträger, in jüngerer Zeit wurden der chinesische Dissident Liao Yiwu und der israelische Schriftsteller David Grossman ausgezeichnet. Nun also Jaron Lanier.

Sonntag, 12.10.2014, 20:10 Uhr

Würdigen wollte der Börsenverein „einen Pionier der digitalen Welt, der erkannt hat, welche Risiken diese für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen birgt“. Ein nobles, humanistisches Ziel. Dafür wird der Preisträger ein wenig zurechtgebogen.

Denn der ist durchaus ein wenig ambivalent. Der Mann ist Computerspiel-Pionier aus den frühen Tagen, hat mit Arbeit und Kapital auf das Pferd „Virtual Reality“ gesetzt, arbeitet für den Branchenriesen Microsoft . Lanier ist also nicht gerade der Erfinder des Internets, wie es gestern fast schon anklang. Aber er sollte wissen, über was er redet, wenn er sich zur digitalen Gesellschaft und künstlichen Intelligenz, zu Google und Facebook äußert.

Da ist es dann doch etwas dünn, eine 16-röhrige Flöte als Ursprung des Computers zu feiern. Oder Google aufzufordern, seiner Kundschaft ihre Daten mit ein paar Cent zu vergüten. Er schimpft ein bisschen über die übelsten Auswüchse – viel weiter ist es mit Laniers Internet-Kritik nicht her.

Dahinter steckt – bei Lanier wie beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels – eine große Fehleinschätzung. Sie nehmen die digitale Welt zu wichtig. Der Börsenverein in der Furcht vor einer bücherarmen Zukunft. Und Lanier beim Versuch, sich in der virtuellen Realität eine Kuschelecke einzurichten.

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