Kommentar: Diskussion um Studiengebühren flackert wieder auf
Kein Anachronismus

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, in einem Interview die Wiedereinführung der Studiengebühren zur Finanzierung der Lehre gefordert hatte, meldete sich der fzs, der freie Zusammenschluss von Student/innenschaften, zu Wort. Sein Vorsitzender Daniel Gaittet sprach von „Anachronismus“. Die etablierten und von Experten geführten Organisationen HRK, OECD und Bertelsmann-Stiftung bezeichnete er als „offensichtlich von gestern“.

Samstag, 18.10.2014, 13:10 Uhr

Kommentar: Diskussion um Studiengebühren flackert wieder auf : Kein Anachronismus
Foto: Jürgen Peperhowe

Gut, Studentenvertreter müssen natürlich mit Vehemenz gegen jegliche finanzielle Belastung ihrer Klientel wettern – das haben sie mit den Parteien jeglicher Couleur gemein. Doch trifft der Vorwurf des Anachronismus ?

Die Studentenvertreter argumentieren damit, dass Studiengebühren sozial ungerecht seien. Doch die Abschaffung der Gebühren hat dazu geführt, dass auch Studenten, deren Eltern sich die Abgaben für die Universitätslehre gut leisten können, nichts bezahlen müssen. Eine soziale Staffelung nachgelagerter Studiengebühren, wie sie etwa der frühere NRW-Bildungsminister Jürgen Rüttgers damals in die Diskussion gebracht hatte, wäre sehr viel gerechter. Nachgelagerte Gebühren werden von den – deutlich besser als Altersgenossen mit anderen Bildungsabschlüssen verdienenden – Akademikern nach dem Studium bezahlt, wenn sie eine Stelle haben.

Das inzwischen auch in NRW wieder abgeschaffte Gebührenmodell hatte den Webfehler, dass es nicht durch ein gutes Stipendien- und Studienkreditangebot flankiert worden war. Ein solches System könnte dazu führen, dass die klugen Köpfe ohne Blick ins Portemonnaie der Eltern ihr Studium absolvieren.

Jeder, der im Handwerk seinen Meister machen will, muss tief in die Tasche greifen. Eine Bevorzugung der Akademiker ist nicht begründbar.

Es lässt sich auch wenig soziale Gerechtigkeit darin finden, dass NRW die Studiengebühren mit einer Finanzspritze von 249 Millionen Euro an die Hochschulen kompensiert, deren Bezahlung man allen Steuerzahlern und künftigen Generationen überlässt.

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