Kommentar zu den Nato-Plänen
Klaviatur des Kalten Krieges

Münster -

Lange Zeit galt die Nato als Auslauf-Modell. Doch seit der Ukraine-Krise ist mit einem Mal alles anders. Die neue Speerspitze der Nato, bei deren Aufbau Münster eine wichtige Rolle spielt, wird aber nie eingesetzt werden, meint unser Redakteur Elmar Ries.

Mittwoch, 03.12.2014, 08:12 Uhr

Soldat Grenze Ukraine
Ein ukrainischer Soldat steht im August nahe der russischen Grenze in der Region um Donezk. Die schnelle Eingreiftruppe der Nato wird hier nie eingesetzt werden, meint unser Redakteur Elmar Ries. Foto: dpa

Lange schien es so, als hätten sich die Zeiten geändert. Angesichts asymmetrischer Konflikte und einer massiv gestiegenen Terrorgefahr war die Nato zuletzt immer lauter infrage gestellt worden. Zu groß, zu unbeweglich, zu teuer und irgendwie aus der Zeit gefallen: Wozu braucht man solche Militärbündnisse noch? Seit der Ukraine-Krise ist mit einem Mal alles anders.

 Mit Russland ist das alte Feindbild wieder da, der überwunden geglaubte Kalte Krieg wird noch nicht heiß, ist aber wieder lebendig, und die Nato scheint vielen osteuropäischen Staaten so wichtig wie noch nie. Das ist die Kulisse, vor der die Au­ßenminister der Bündnispartner neue Abwehrmaßnahmen beschlossen haben. Im Mittelpunkt steht dabei eine rund 5000 Mann starke schnelle Eingreiftruppe.

Die soll innerhalb von zwei bis fünf Tagen nicht nur kampfbereit sein, sondern auch binnen kürzester Zeit vor Ort – etwa in Polen oder in den Bündnisstaaten des Baltikums. Deutschland und mit ihm dem Deutsch-Niederländischen Korps in Münster kommt in der Aufbauphase der Speerspitze eine entscheidende Rolle zu.

Deutsch-Niederländisches Korps übt für neue Aufgabe

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  • Das Deutsch-Niederländische Korps übt für seine nächste Aufgabe: 2015 übernimmt die Einheit das Kommando über die "schnelle Eingreiftruppe" der Nato (Nato-Response Force).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Bundespräsident im Joint Operations Center, dem Herzstück der Übung - mit dem kommandierenden Generalleutnant Volker Halbauer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Bundespräsident im Joint Operations Center, dem Herzstück der Übung - mit dem kommandierenden Generalleutnant Volker Halbauer und dem deutschen Botschafter in den Niederlanden Franz Josef Kremp.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gauck traf auch auf Vertreter der zivilen Hilfsorganisationen: Armin Tretner Dom vom DRK-Landesverband aus Münster und die Niederländerin Sophie Kesselaar.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Bundespräsident im Joint Operations Center.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...sowie das Briefing im Joint Operations Center.

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  • ... an den zahlreichen Bildschirmen,...

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  • Interessiert verfolgt Gauck das Geschehen...

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  • Der gut gelaunte Bundespräsident begrüßt die Soldatinnen und Soldaten.

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  • Seltener Besuch für das Korps, das seinen Hauptsitz in Münster hat.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gauck mit dem kommandierenden Generalleutnant Volker Halbauer und dem Generalinspekteur der Bundeswehr General Volker Wieker (l.).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Übung fand im niederländischen Uddel statt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ab dem 1. Januar übernimmt das Korps aus Münster das Kommando über die Nato Response Force.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Das alles wirkt bedrohlich kriegerisch. Machen wir uns aber nichts vor: Die neue Truppe wird nie eingesetzt werden. Ihre Bedeutung liegt in der Wirkmacht der Symbole. Abschreckung gegen Russland, Zeichen der Unterstützung für die osteuropäischen Bündnispartner: Die erprobten Mechanismen der alten Block-Konfrontation funktionieren noch immer famos.

Russland kündigte umgehend Marine-Manöver an und warnte die Ukraine vor einem Nato-Beitritt. Die Reaktion war vorhersehbar, auch sie gehört zum Repertoire des Kalten Krieges.


Hintergrund

Bei der für 2015 geplanten neuen «Speerspitze» der Nato sollen Bundeswehrtruppen eine entscheidende Rolle spielen: das I. Deutsch-Niederländische Korps in Münster und das Panzergrenadierbataillon 371 im sächsischen Marienberg. Ein Überblick:

Der Korpsstab in Münster ist Spezialist bei der Führung multinationaler Großverbände. Das Hauptquartier hat 2015 ohnehin den Auftrag, bei Alarmierung innerhalb von 30 Tagen weltweit einsatzbereit zu sein . Es verfügt dafür über einen hochmobilen Gefechtsstand, der völlig unabhängig von vorhandener Infrastruktur eingesetzt werden kann. Zum Kern des 1995 aufgestellten Korps zählen rund 450 Soldaten. Sie führten unter anderem 2003 und 2009/10 den internationalen ISAF-Einsatz in Afghanistan.

Das Marienberger Panzergrenadierbataillon 371 bringt unter anderem Einsatzerfahrung im Kosovo und in Afghanistan mit. Außerdem waren die Soldaten unermüdliche Helfer beim Jahrhunderthochwasser 2002. Schon vor den neuen Planungen war klar, dass die 900 Soldaten das Bataillons 2015 mit 30 Schützenpanzern Marder den Kern des Gefechtsverbandes der «normalen» schnellen Eingreiftruppe der Nato stellen würden.

(Quelle: dpa)

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