Debatte über die Pegida-Bewegung
Merkwürdige Melange

In Dresden versammelten sich am Montag nach Schätzungen der Polizei rund 17.500 Menschen, um gegen eine vermeintliche „Überfremdung“ Deutschlands mobilzumachen. Sie folgten einem Aufruf der Anti-Islam-Bewegung „Pegida“. Ein Kommentar zum Thema.

Dienstag, 23.12.2014, 07:12 Uhr

Debatte über die Pegida-Bewegung : Merkwürdige Melange
Anhänger des «Pegida»-Bündnisses demonstrieren mit Deutschlandfahnen am 22.12.2014 in Dresden gegen die angebliche Überfremdung durch Flüchtlinge. Foto: dpa

Nennen wir es Aufmarsch oder Demonstration? Nennen wir sie Nationalisten oder Patrioten, Nadelstreifen-Nazis oder Angstbürger?

Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung gibt Rätsel auf. Die Organisatoren verstehen es, ausländerfeindliche Hetze bis an die Grenze zuzulassen, ab der sie durch die Meinungsfreiheit nicht mehr gedeckt wäre. Geschickt wird so vermieden, in großer Zahl Mitläufer abzuschrecken, die montags nach Dresden fahren, um ihrer Sorge oder auch Angst vor einem neuen Flüchtlingszustrom Ausdruck zu verleihen.

Die Verteufelung der freien Medien als Systempresse und die verbale Anmaßung der Übernahme der „Wir-sind-das-Volk“-Hymne schüren Ressentiments gegenüber demokratischen Institutionen und vermitteln gezielt das Gefühl des Betrogenwerdens „durch die da oben“. Eine Mobilisierungsstrategie so recht nach dem Geschmack des AfD-Chefs Lucke, der das Spiel mit Ängsten aus dem Effeff beherrscht.

Ob aus Reflex, Hilflosigkeit oder gekränkter Eitelkeit: Die politische Elite hat postwendend, fast unisono, mit Schimpf, Schande und Verachtung auf Pegida reagiert – und den geistigen Brandstiftern neue Munition geliefert. In dieser merkwürdigen Melange muss sich nun endlich die Spreu vom Weizen trennen, dürfen Angstbürger nicht länger dumpfem Fremdenhass auf den Leim gehen.

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