NS-Prozess in Lüneburg hat sein Ziel erreicht
Ein gutes Urteil

Oskar Gröning war ein Rädchen im Getriebe – aber im Getriebe einer Mordmaschinerie, die ohne Männer wie ihn nicht funktioniert hätte. Das Urteil ist damit das folgerichtige Ende eines bemerkenswerten Prozesses.

Donnerstag, 16.07.2015, 15:07 Uhr

Erstmals hat einer der Täter von Auschwitz seine Beteiligung und seine Mitschuld eingeräumt. Und: Erstmals scheint im Lüneburger Prozess so etwas wie eine wirkliche Kommunikation zwischen Opfern und Täter gelungen zu sein. Endlich haben die Überlebenden vor Gericht tatsächlich Gehör gefunden: Die Schilderungen ihrer Qualen sind offenbar beim Angeklagten angekommen – so scheint es zumindest. Mit dem Urteil wird ihr Leid in der Shoa juristisch anerkannt. Künftiges Leugnen zwecklos!

Ihr Leiden hat nicht am 27. Januar 1945 geendet, „Auschwitz“ verfolgt die damals Befreiten bis heute – und wird es weiter bis zu ihrem Lebensende. Schon vor diesem Hintergrund erübrigt sich jeder Zweifel, ob man einen 94-Jährigen verurteilen und – so er haftfähig ist – ins Gefängnis stecken darf.

Dies umso mehr, als in Lüneburg letztlich auch die mit Blick auf NS-Verbrechen lange so unwillige deutsche Justiz als „Nebenangeklagter“ auf der Bank saß. Eine „merkwürdige Rechtsprechung“ bescheinigte ihr der Richter am Mittwoch. Ein gutes Urteil, ein denkwürdiger Prozess – der allerdings schon vor Jahrzehnten hätte stattfinden müssen.

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