Kritik am Ruhrgebiet
Die alten Denkfehler

Natürlich haben Fritz Pleitgen und Norbert Lammert recht: Das Ruhrgebiet hat viel für Deutschland getan – gerade für das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland. Seit dem Ausbruch der Kohle- und Stahlkrise jedoch verfestigen sich die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in der Region und haben vielen Städten die finanzielle Luft zum Atmen genommen – bis heute.

Freitag, 28.08.2015, 08:08 Uhr

Doch die Lösungsvorschläge, die die wortgewaltigen Protagonisten des Reviers zur Bewältigung der Dauerkrise unterbreiten, folgen den alten Denk- und Systemfehlern: Ein Schuldenschnitt für das Revier würde einen Präzedenzfall kreieren, für den andere notleidende Regionen oder Städte wenig bis kein Verständnis aufbringen würden. Die haushaltspolitische Lage ist in Bremen , dem Saarland oder auch in Mecklenburg-Vorpommern genauso trostlos wie in Essen, Gladbeck oder Bochum.

Dagegen ist es Lammert durchaus hoch anzurechnen, dass er erstmals offen „Lebenslügen“ im Ruhrgebiet anspricht. Der einstige Chef der mächtigen Ruhr-CDU räumt auf mit Legenden, die das Ruhrgebiet als Opfer fehlender Subventionen aus Berlin oder Düsseldorf darstellen, die eigene Tatkraft und Zusammenarbeit der nach wie vor mächtigen Rathauschefs aber lähmen. Doch ein Zusammenschluss zu einem Ruhrbezirk schafft nur eine neue, teure Verwaltungsebene, löst aber kein einziges strukturelles Problem.

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