Reformbedarf in Großbritannien
Steueroasen bringen Cameron in Verlegenheit

Auch David Cameron kommt wegen der Panama-Papiere unter Druck. Der Name des britischen Premierministers taucht in den Datensätzen nicht auf, dafür aber der seines 2010 verstorbenen Vaters Ian Cameron. Doch nicht nur die Geschäfte in Panama, auch die in britischen Steueroasen bringen den Premierminister in Verlegenheit. Eine Analyse.

Mittwoch, 06.04.2016, 07:04 Uhr

Reformbedarf in Großbritannien : Steueroasen bringen Cameron in Verlegenheit
Der britische Premierminister gerät wegen der Steueroasen-Enthüllungen unter Druck. Foto: dpa

Ian Cameron gehörte zum Kundenkreis der panamesischen Anwaltsfirma Mossack Fonseca und leitete den Investmentfonds Blairmore Holdings. Das Offshore-Unternehmen hat in Großbritannien niemals Steuern gezahlt. Das Büro des Premierministers wiegelte diesbezügliche Fragen ab. Das sei „eine private Angelegenheit“, hieß es.

Nicht so einfach wird es für Cameron werden, die Kritik abzuwehren, die ihn jetzt wegen der zahlreichen britischen Steueroasen trifft. Der Oppositionsführer Jeremy Corbyn forderte ihn auf, endlich mehr zu tun.

Der Labour-Chef hat Recht: Großbritannien hat in dieser Hinsicht Reformbedarf . Denn viele Steueroasen – nicht nur die Kanalinseln wie Jersey oder Guernsey, sondern auch ein halbes Dutzend Karibikinseln – sind von Großbritannien abhängige Überseegebiete oder Kronkolonien, die sich für eine diskrete Kapitalflucht und Steuerhinterziehung anbieten. Besonders berüchtigt sind die Britischen Jungferninseln, ein britisches Überseegebiet in der Karibik. Seit 1980 vermarktet sich das innen- und wirtschaftspolitische autonome Land als Offshore-Finanzplatz, soll heißen: Geldanleger und Unternehmer bleiben anonym, Steuern sind minimal. Mehr als eine Million Offshore-Gesellschaften sollen als Briefkastenfirmen in den Jungferninseln registriert sein. Zugearbeitet wird ihnen vom Londoner Finanzzentrum. In der City arbeiten Heerscharen von Anwälten und Finanzberatern in der Industrie der „Steuervermeidung“, wie der bevorzugte Ausdruck für die Kapitalanlage in Offshore-Zentren lautet.

David Cameron hat sich zwar den Kampf gegen die Steuerflucht auf die Fahnen geschrieben, aber sehr erfolgreich war er nicht. Zu ersten Reformschritten kam es bei einigen Steuerparadiesen wie der Kanalinsel Jersey. Doch die Steueroasen in der Karibik zeigten sich weniger kooperationsbereit. Ex-Wirtschaftsminister Vince Cable forderte daher den Premier auf, wieder eine Direktherrschaft einzuführen, „wo der Missbrauch ungeheure Ausmaße angenommen hat. Die Jungferninseln stehen an der Spitze dieser Liste“.

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