Kommentar zum Anschlag von Nizza
Die Angst ist wieder da

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - an diese für die Zivilisation so grundlegenden Werte erinnerten sich die Franzosen bisher Jahr für Jahr an ihrem Nationalfeiertag. Die Nacht von Nizza wird das verändern. Ein Kommentar.

Freitag, 15.07.2016, 12:07 Uhr

Kommentar zum Anschlag von Nizza : Die Angst ist wieder da
Polizisten untersuchen den Bereich, in dem in der Nacht zuvor ein Lastwagen in eine Menschenmenge gefahren war. Foto: dpa

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – an diese Werte erinnern sich die Franzosen Jahr für Jahr am 14. Juli mit Stolz und Freude. Und sie werden dies weiter tun. Doch ihr Nationalfeiertag wird ab jetzt auch ein Tag der Trauer und des Erinnerns sein. Ein Tag, der im Gedächtnis der Nation mit Tod, mit unermesslichem Leid und Schmerz verbunden sein wird.

Wahllos hat ein Fanatiker am Donnerstag in Nizza feiernde Kinder, Männer und Frauen mit einem Lkw überrollt. Wie hasserfüllt muss man sein, um so ein grausames Attentat zu begehen. Wer meint, dass ihn dies zum Märtyrer oder Helden macht, unterliegt einer irren Wahnvorstellung. Es gibt keine wie auch immer geartete Rechtfertigung. Tat und Täter verdienen nur eines: tiefe Abscheu.

Dass Frankreich in seiner Zeit als Gastgeber der ausgedehnten Fußball-EM vom Terror verschont blieb, erschien nach den vorausgegangenen schweren Attentaten von Brüssel, Paris, Ankara und Istanbul wie ein Moment der Hoffnung, wie ein Signal dafür, dass es doch eine gewisse Sicherheit gibt.

Die blutige Spur, die der 31-jährige Täter bei seinem Anschlag jetzt durch die südfranzösische Stadt zog, reißt die tiefen Wunden wieder auf. Die Angst vor radikalen und unmenschlich agierenden Terrorgruppen und unkalkulierbaren Einzeltätern ist wieder da. Frankreich, seit Monaten im Ausnahmezustand, vergießt erneut Tränen – und mit den Franzosen trauert die aufgeklärte Welt.

Wie nur lassen sich Menschen, die bereit sind, Unschuldige zu töten, vom Irrweg abbringen? Eine Frage, auf die wir auch heute wieder keine letzte Antwort haben.

Terror in Nizza: Lkw fährt in Menschenmenge

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  • Bei einem Anschlag in der französischen Küstenstadt Nizza sind am späten Donnerstagabend mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen.

    Foto: Olivier Anrigo, dpa
  • Gegen 23 Uhr rast ein Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge. Er kommt zwei Kilometer weit. Die Polizei tötet den Fahrer. Auf dem Bild sind Einschusslöcher in der Windschutzscheibe zu sehen.

    Foto: Franck Fernandes, dpa
  • Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem „terroristischen Charakter“ der Tat und verlängerte den Ausnahmezustand in Frankreich, der am 26. Juli hätte enden sollen, um drei Monate.

    Foto: Olivier Anrigo, dpa
  • Der Ort des Anschlags: Auf der Flaniermeile „Promenade des Anglais“ feierten viele Menschen den französischen Nationalfeiertag und schauten sich ein Feuerwerk über dem Mittelmeerpanorama an, als der Lastwagen in die Menge fuhr.

    Foto: Google, via dpa
  • Bei der Tat wurden viele Menschen von dem schätzungsweise drei bis vier Tonnen schweren Lastwagen erfasst. Angsterfüllt ergriffen viele Menschen die Flucht. Der Schock sitzt tief bei den Menschen in Nizza.

    Foto: Olivier Anrigo, dpa
  • Innenminister Bernard Cazeneuve reiste an den Tatort. Er nannte den Täter, der nach ersten Erkenntnissen der französischen Polizei nicht als politisch radikalisiert bekannt gewesen ist, einen Terroristen.

    Foto: Olivier Anrigo, dpa
  • Neben den vielen Todesopfern sind nach Angaben des französischen Innenministers 18 Menschen sehr schwer verletzt worden.

    Foto: Olivier Anrigo, dpa
  • Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Frankreich die volle Solidarität Deutschlands zu. „Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs. Und ich bin sehr überzeugt, dass trotz aller Schwierigkeiten wir diesen Kampf gewinnen werden.“

    Foto: Damir Sagolj, dpa
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