Kommentar
Studium ist echte Arbeit

Das Klischee vom Studenten, der bis in die tiefe Nacht feiert, morgens ausschläft und dann nachmittags kurz bei einer Vorlesung vorbeischaut, hält sich bei vielen Menschen außerhalb der akademischen Welt hartnäckig. Doch der Alltag nicht weniger Studenten ist längst straff durchorganisiert. Ein Kommentar.

Dienstag, 11.10.2016, 18:10 Uhr

Studenten fühlen sich heute häufig gestresst.
Studenten fühlen sich heute häufig gestresst. Foto: dpa

Wer Bafög erhält, muss seine Leistungen kontinuierlich nachweisen, darf sich keine Bummelei erlauben. Wer neben dem Studium für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, muss Vorlesungen und Seminare mit dem Job unter einen Hut bekommen – auch da kommt kaum Zeit zur Muße auf.

Natürlich feiern Studenten auch manchmal, und der eine oder die andere wird auch mal eine Vorlesung versäumen. Aber dank der Bologna-Reform ist das Studium nun so „verschult“, dass regelmäßig Prüfungen und Tests anstehen. Wer da nicht am Ball bleibt, ist schnell ganz raus aus dem Stoff und dem Studium.

Die Konkurrenzsituation trägt dazu bei, dass viel mehr Studenten als früher das Studium ernst nehmen. Außerdem sind dank des „Turboabiturs“ auch viele Vorlesungsbesucher deutlich jünger als noch vor Jahren – da ist man wohl unsicher und fühlt sich eher gestresst .

Sechs Fakten über das Studentenleben

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  • Das Studentenleben ist längst nicht mehr so entspannt wie es vielleicht einmal war. Überfüllte Hörsäle, teure Mieten und kaum Zeit für Freizeitaktivitäten - so sieht für viele das Studium 2016 aus. Sechs Fakten über das Studentenleben heutzutage:

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  • Es werden immer mehr:

    Etwa 2,8 Millionen Studenten studieren im Wintersemester 2016/17, überwiegend an den rund 240 Hochschulen in staatlicher Trägerschaft - Tendenz steigend. Seit Jahren strömen jeweils 500 000 Erstsemester an die Unis, darunter immer mehr Ausländer, für die Deutschland ein attraktiver Hochschulstandort ist.

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  • Eine 40-Stunden-Arbeitswoche reicht nicht: 

    Studenten wenden in Deutschland im Schnitt 35 Wochenstunden für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen an ihrer Uni auf, hinzu kommen etwa sieben Stunden für Nebenjobs. Gut jeder Fünfte muss neben der Hochschule so viel arbeiten, dass er „faktisch Teilzeit“ studiert.

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  • BAföG hilft nicht mal einem Viertel:

    Knapp drei Milliarden Euro ließ sich Vater Staat die Ausbildungsförderung im Vorjahr kosten. Damit wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 611 000 Studierende gefördert - vor vier Jahren waren es 60 000 mehr. Mit der zum Wintersemester umgesetzten Bafög-Reform wird nun manches besser: Es gibt mehr Geld und der Kreis der Geförderten soll um 110 000 wachsen.

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  • Schuldenmachen ist unbeliebt:

    Trotz steigender Studentenzahlen werden immer weniger Studienkredite in Anspruch genommen. Studenten, die auf Zuschüsse angewiesen sind, suchen sich eher einen Nebenjob, als einen Kredit aufzunehmen. Auf Stipendien kann nur ein kleiner Teil zurückgreifen.

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  • Studentenwohnungen werden zum Luxusgut:

    In Berlin müssen Studenten inzwischen 37% mehr Miete zahlen als vor sechs Jahren. In anderen Städten sieht es ähnlich aus. Besonders in den typischen Studentenstädten muss man sich auf eine lange Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft gefasst machen.  

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  • Studenten-Stress steigt:

    Überfüllte Hörsäle und zu viel Lernstoff überfordern viele Studenten. Dabei gibt es nicht nur geschlechterspezifische Unterschiede sondern auch zwischen den Studienfächern und den verschiedenen Hochschulen. 

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Es soll jetzt aber nicht zum großen Mitleid mit dem akademischen Nachwuchs aufgefordert werden. Studium ist eben echte Arbeit – genauso wie viele Ausbildungsstellen für die Altersgenossen.

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