Kommentar zu Merkels Wiederwahl
Die Alternativlose

Mit ihrem zweitschlechtesten Wiederwahl-Ergebnis kann die CDU-Vorsitzende Angela Merkel gut leben. Sie hat dem Land und ihrer CDU viel zugemutet – staatlicher Kontrollverlust im Sommer 2015 mit einem Massenzustrom von Flüchtlingen und einer ganzen Serie desaströser Wahlniederlagen in den Bundesländern.

Dienstag, 06.12.2016, 18:12 Uhr

Kommentar zu Merkels Wiederwahl : Die Alternativlose
Bundeskanzlerin Angela Merkel winkt in Essen beim CDU-Bundesparteitag nach ihrer Wiederwahl zur CDU-Parteivorsitzenden. Foto: dpa

Der Streit darüber und in Folge das Zerwürfnis mit der christsozialen Schwesterpartei beschweren die Volkspartei noch immer. Naiv zu glauben, mit einer wirklich guten Rede ein Wahlergebnis von 96 plus einfahren zu können; zu viele Delegierte kamen auch gestern noch mit der geballten Wut-Faust in der Tasche in die Essener Gruga .

Sigmar Gabriel lenkt seit seiner letzten Wiederwahl übrigens mit einem 74-Prozent-Denkzettel die Sozialdemokratie ...

Angela Merkel hat das höchst zweifelhafte Kunststück vollbracht, neben ihrer mutmaßlich alternativlosen Politik sich selbst in den Status der Alternativlosigkeit zu bringen; ein Blick in die zweite Reihe der CDU dokumentiert dies ebenso deutlich wie die Nominierung eines SPD-Mannes für das Amt des Bundespräsidenten. Sie überzeugte allerdings auch gestern wieder mit gelebter Bescheidenheit, emotionsloser Vernunft und der ruhigen Kraft der Kontinuität.

Ihre eigentliche Stärke resultiert aber nicht unmaßgeblich aus der Schwäche der Sozialdemokratie. Deren Flirt mit einem rot-rot-grünen Linksbündnis weckt allerdings die Angriffslust einer etwas ermatteten Christdemokratie.

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