Kommentar
Der Fall Holm ist ein Berliner Trauerspiel

Berlin, wa? Det ist Berlin, wa! Was sich der rot-rot-grüne Senat in der Hauptstadt leistet, ist bester Stoff fürs politische Kabarett. Zum Lachen geht man indes besser zu den Stachelschweinen, in die „Distel“ oder zu den Wühlmäusen. Denn was Rot-Rot-Grün in Berlin zu bieten hat, gleicht eher einem Trauerspiel.

Montag, 16.01.2017, 21:01 Uhr

Michael Müller (links), Andrej Holm.
Michael Müller (links), Andrej Holm. Foto: dpa

Vor gerade einmal fünf Wochen mit großen Ambitionen gestartet, hat das Dreierbündnis um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller eine glatte Bauchlandung hingelegt. Das Unglück trägt auch einen Namen: Andrej Holm . Der von den Linken auserkorene parteilose Bau-Staatssekretär lieferte quasi die Bananen­schale, auf der die Protagonisten ins Rutschen kamen.

Gut, die Karriere als hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit ist lange her. Aber: Dass der heute 46-Jährige dies 2005 auf einem Personalfragebogen der Berliner Humboldt-Universität verschwieg, disqualifiziert ihn von vornherein für einen Regierungsposten. Die Frage stellt sich, warum sich der Regierende SPD-Bürgermeister dem drohenden Unheil nicht früher entgegengestellt hat? Dafür trägt Müller Mitverantwortung.

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Mit seinem Rücktritt befreit Holm die Linke zwar aus der Zwickmühle, selbst eine unangenehme Entscheidung treffen zu müssen. Aber auf die Beine kommt das Dreierbündnis damit nicht. Der „Fall Holm“ scheint keinesfalls beendet, da die Linke den Stadtsoziologen weiter als Experten in der Hinterhand halten will. Zudem konnten sich alle drei Parteien nach dem Anschlag am Breitscheidplatz nur mühsam zu einem Formelkompromiss in Sachen Videoüber­wachung durchringen.

Berlin steckt zu Beginn des Wahljahres 2017 im Krisenmodus. Berlin ist alles andere als eine Werbung für Rot-Rot-Grün. Kein Modell für den Bund – eben: Berlin, wa!

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