Kommentar zum Auftritt von Martin Schulz
Das Tafelsilber wird poliert

Martin Schulz ist die personifizierte Hoffnung der deutschen Sozialdemokratie – und Sigmar Gabriel schon irgendwie fast vergessen. Die Inthronisierungsfeier für den Überraschungs-Kandidaten wurde begleitet von einer Melange aus Erleichterung über das Nicht-Eingetretene und Jubel über einen offenbar langersehnten Neuanfang. Beides dürfte Gabriel Gewissheit geben, eine für ihn persönlich schwere, für die Partei aber richtige Verzichts-Entscheidung getroffen zu haben. Ein Kommentar.

Sonntag, 29.01.2017, 18:01 Uhr

Kommentar zum Auftritt von Martin Schulz : Das Tafelsilber wird poliert
Martin Schulz Foto: dpa

Und Martin Schulz poliert das sozialdemokratische Tafelsilber . Sein Vorteil: Als Neuling auf dem innenpolitischen Parkett stößt er auf mehr Gehör als jemand, der seit vielen Jahren in bekannter Tonalität Steuergerechtigkeit anmahnt, Steuerflucht brandmarkt, Millionen-Boni für versagende Manager verurteilt, angesichts der Flüchtlingskrise Verständnis für die verunsicherte Bevölkerung dokumentiert und kriminelle Ausländer rigoros abschieben will. In der Sache alles nicht neu, klingt jetzt nur anders.

Martin Schulz - vom Bürgermeister zum Kanzlerkandidaten

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  • Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wurde am 20. Dezember 1955 in Helrath (heute Eschweiler, NRW) geboren.

    Foto: Bernd von Jutrczenka
  • Seit 1974 ist Schulz Mitglied der SPD, bis 1984 war er bei den Jusos aktiv.

    Foto: Maurizio Gambarini
  • Nach einer Ausbildung zum Buchhändler führte Schulz von 1982 bis 1994 seine eigene Buchhandlung in Würselen bei Aachen, wo er von 1987 bis 1998 Bürgermeister war.

    Foto: Michael Kappeler
  • Seit 1994 gehört Martin Schulz dem Europäischen Parlament an. Von 2000 bis 2004 übernahm er dort den Vorsitz der SPD-Gruppe.

    Foto: dpa
  • Schulz setzte seine Karriere als Chef der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament von 2004 bis 2014 fort.

    Foto: Olivier Hoslet
  • Bis 2017 bekleidete Schulz das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments. Nach der vierjährigen Amtszeit von Martin Schulz übernahm dieses Amt der italienische Politiker Antonio Tajani.

  • Für seine Verdienste um die Stärkung des EU-Parlaments erhielt Schulz 2015 den Aachener Karlspreis. Das Archivbild aus dem Jahr 2014 zeigt Schulz bei einem Treffen mit Papst Franziskus.

    Foto: Andrew Medichini
  • Martin Schulz will 2017 in die deutsche Bundespolitik zurückkehren. Er soll Parteichef der SPD und Kanzlerkandidat werden - und somit möglicherweise Nachfolger von Angela Merkel.

    Foto: Bernd von Jutrczenka
  • Schulz ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball und liest.

    Foto: Stephanie Lecocq
  • Neben Deutsch spricht Martin Schulz auch Französisch, Englisch, Niederländisch, Spanisch und Italienisch.

    Foto: Bernd von Jutrczenka

Die entscheidende Frage wird sein, inwieweit der Kandidat diese Politik für mehr Gerechtigkeit und die mutmaßlich kleinen Leute glaubwürdig wird vertreten können.

Umsetzen kann er sie – Stand heute – nur in einer rot-rot-grünen Koalition. Und da holen den Neuling die alten Probleme der SPD ganz schnell ein.

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