Krise in Venezuela
Düstere Aussichten

Der Pseudosozialismus der Regierung in Caracas entwickelt sich rasant zu einer Diktatur. Das Absurde in Venezuela: Der Staat sitzt auf den größten Ölreserven der Welt, ist aber nicht in der Lage, seine Menschen zu ernähren. Ein Kommentar.

Dienstag, 01.08.2017, 09:08 Uhr

Krise in Venezuela : Düstere Aussichten
Nach der Explosion eines Sprengkörpers in der Nähe einer Gruppe von Motorradpolizisten zündet die Nationalgarde in Caracas Motorräder der Presse an. Foto: dpa

Das Justizsystem wird der Regierung unterstellt, die Verfassung soll im Sinne der regierenden Partei umgeschrieben werden; De­monstrationen werden verboten, unerschrockene Oppositionelle ins Gefängnis geworfen oder bei Protestmärschen erschossen; die Regierung schottet sich ab und erklärt alle politischen Gegnern zu Terroristen; bei Wahlen werden Andersdenkende von Vornherein ausgeschlossen, nur regierungstreue Kandidaten stehen auf den Listen. In diesem Fall ist von Venezuela die Rede – auch wenn diese Verhältnisse derzeit auf mehrere Staaten zutreffen. Der Pseudosozialismus der Regierung in Caracas entwickelt sich rasant zu einer Diktatur.

Das Absurde in Venezuela: Der Staat sitzt auf den größten Ölreserven der Welt, ist aber nicht in der Lage, seine Menschen zu ernähren. Jahre der Misswirtschaft, der Korruption und der Selbstbedienung durch die Führungselite haben das Land an den Abgrund geführt.

Kein Wunder, dass sich Widerstand in der Bevölkerung regt. Doch wer dort gegen die Regierung von Nicolas Maduro , dem blassen Nachfolger des charismatischen Hugo Chávez, auf die Straße geht, riskiert sein Leben.

Die Sozialisten im Präsidentenpalast ignorieren seit 2015 den Willen des Volkes. Bei den damaligen Parlamentswahlen gewannen Maduros Gegner fast zwei Drittel der Sitze in der Nationalversammlung. Eine Chance auf den Machtwechsel gab es nicht. Aus der Scheinwahl vom Sonntag wird das Maduro-Lager als Sieger hervorgehen. Offiziell wurde über eine „Verfassungsgebende Nationalversammlung“ entschieden – aber es ging um nichts anderes als die Entmachtung des Parlaments.

Welche Perspektiven hat das Land? Das Militär wird von Maduro umschmeichelt und mit ­üppigen Pfründen ausgestattet – aber wie lange schauen sich die Generäle den Untergang des eigenen Landes noch an? Wenn die Haupt-Erdöl­abnehmer USA und China Maduros Regime mit Sanktionen belegten, wäre das Ende eingeläutet – aber wer glaubt schon, dass sich diese beiden derzeit einigen? Auf einen freiwilligen Rückzug Maduros kann man nicht ernsthaft hoffen. Das wahrscheinlichste Szenario: bürgerkriegsähnliche Krawalle.

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