Kommentar zum TV-Duell Merkel gegen Schulz
TV-Spektakel bringt der SPD keinen Rückenwind

Das Duell ist Geschichte – war‘s das für Martin Schulz? Der SPD-Kanzlerkandidat präsentierte sich im Fernseh-Duell mit der Kanzlerin gut aufgelegt, sehr sachkundig und dosiert angriffslustig. Eine insgesamt gute Vorstellung, die die Erwartungen seiner Anhänger durchaus übertraf. Der Herausforderer stieß allerdings auf eine Kanzlerin, die sich – auch im Vergleich zu den zurückliegenden Debatten mit Schröder, Steinmeier und Steinbrück – in Bestform zeigte und nahezu alle Umfragen für sich entschied.

Montag, 04.09.2017, 20:09 Uhr

Kommentar zum TV-Duell Merkel gegen Schulz : TV-Spektakel bringt der SPD keinen Rückenwind
Screenshot des TV-Duellls zwischen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten und SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am 03.09.2017 in Berlin. Foto: Dpa

Martin Schulz aber hätte einen Erdrutschsieg gebraucht, um den großen Vorsprung von CDU und CSU drei Wochen vor der Wahl spürbar zu verringern. Also: Kein neuer Aufbruch, kein Rückenwind für den sozialdemokratischen Wahlkampf-Endspurt.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Weil sich die Debatte mit Flüchtlings-, Türkei- und transatlantischer Krise lange herumquälte, blieb für das zen-trale SPD-Thema, die Gerechtigkeitsfrage, kaum Zeit. Schulz vermochte diese für ihn und seine Kampagne wichtigen Inhalte kaum zu platzieren. Und Angela Merkel konterte süffisant einige Schulz-Angriffe mit Hinweisen auf die gemein­same großkoalitionäre Beschlusslage. Während sich der SPD-Kandidat redlich um seine Rolle als Anwalt des kleinen Mannes ­mühte, gab Merkel weltmännisch die erfahrene Staatsfrau. Eigentlich konnte Martin Schulz ­dieses Duell gar nicht gewinnen: Der Eindruck, noch nicht in derselben Liga zu spielen wie die Kanzlerin, verfestigte sich.

Noch dazu fehlt Schulz die Machtperspektive: ­ Aktuell zeichnet sich keine parlamentarische Mehrheit unter SPD-Führung ab. Ohnehin weicht der Kandidat jeder Frage nach einer linken rot-rot-grünen Bundesregierung stoisch aus; diese Achillesferse bleibt der SPD . Schulz dürfte seine Partei also in die Opposition führen – müssen. Das konkrete Abschneiden der SPD am Wahltag wird wohl darüber entscheiden, welche Rolle Martin Schulz zukünftig in Partei und Parlament spielen kann.

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