Kommentar
Amokfahrt zerstört die städtische Idylle: Betroffen – und bewegend

Münster -

Tiefe Trauer, beharrliche Fassungslosigkeit, diese innere Wut über die Sinnlosigkeit des entsetzlichen Verbrechens: Die Menschen Münsters und des Münsterlandes stehen noch immer unter Schock. 

Sonntag, 08.04.2018, 18:04 Uhr

Kommentar: Amokfahrt zerstört die städtische Idylle: Betroffen – und bewegend
Das Gebiet rund um den Kiepenkerl in Münsters Altstadt ist abgeriegelt. Foto: Oliver Werner

Die Amokfahrt erinnert an die Dramaturgie islamistischer Anschläge; ein Auto wird zur Waffe, der Selbstmörder will möglichst viele Unbeteiligte mit in den Tod nehmen. Erst Stunden, nachdem die schlimmen Bilder von der jäh zerstörten samstäglichen Idylle des münsterischen Kiepenkerlviertels um die Welt gegangen sind, dieses Signal einer gewissen Erleichterung: kein islamistischer Terroranschlag, vielmehr das persönliche Drama eines psychisch Kranken, der seinem Leben nicht allein ein Ende setzen wollte.

Nach der Amokfahrt in Münster

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  • Blumen werden am Tatort niedergelegt, Kerzen angezündet: Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt in eine Gruppe von Menschen gerast und hat zwei von ihnen getötet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, läuft am Sonntagvormittag zum Tatort.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
  • Der Täter steuerte nach vorliegenden Informationen den Platz, der dann zum Tatort wurde, über  die Straßenachse Bogenstraße/Spiekerhof an. Normalerweise ist eine Zufahrt von dieser Seite aber nicht möglich, da Poller die Zufahrt versperren.

    Erreichbar ist der Platz am Kiepenkerl sowie die benachbarte Straße „Wegesende“ nur über eine kleine Stichstraße, die zwischen der  Apostelkirche und dem Eiscafé Macellum verläuft. Diese Stichstraße ist derzeit wegen Bauarbeiten aber gesperrt. Ersatzweise wurde der Platz am Kiepenkerldenkmal nach Süden, also zum Spiekerhof hin geöffnet.

    Foto: dpa
  • Ein Moment absoluter Stille.

    Foto: Oliver Werner
  • Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
  • Nationale und internationale Medien sind versammelt, um die Stellungnahmen der Politiker aufzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Minister tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
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  • Ein Moment absoluter Stille. Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

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  • Auf fast allen Fußballplätzen in Münster fand am Sonntag eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Amokfahrt vom Samstag statt. Mehrere Mannschaften, wie etwa Westfalenligist 1. FC Gievenbeck, trugen einen Trauerflor. auf dem Bild sind die Kicker von Westfalia Kinderhaus vor der Partie gegen den TuS Recke am Anstoßkreis zu sehen. 

    Foto: Thomas Rellmann
  • Foto: dpa
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  • Maria Dickmann: Ich habe heute die Stille in der Lamber-tikirche gesucht und Kerzen aufgestellt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Hermann-Josef Danicki: Man darf nicht immer im Bewusst-sein haben, woher wohl das nächste Auto kommt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Johanna Markmann: Ich bin das erste Mal seit Samstag in der Stadt. Es ist ein mulmiges Gefühl.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ali Zandi: Wenn ich mit dem Taxi dort vorbeifahre, werde ich immer daran denken.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Gemischte Gefühle hat Dr. Rainer Zirbeck bei seiner Kaffeepause vor einem Café am Drubbel.

    Foto: Gabriele Hillmoth

Kein Terror – ein Trost? Nein. Nicht für die Angehörigen der Toten, auch nicht für alle anderen. Denn diese Wahnsinnstat inmitten der altstädtischen Beschaulichkeit dokumentiert schonungslos die Verwundbarkeit einer Stadt und die der hier lebenden Menschen. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Anschlägen oder Amok-Aktionen kann und wird es nicht geben; eine Diskussion über fehlende bzw. zusätzliche Blockaden mittels Pollern und Betonsperren ganz sicher.

Bei aller Betroffenheit bleibt Raum für Bewunderung: Die Professionalität der Arbeit von Polizei und Rettungskräften und die spontane Hilfsbereitschaft unzähliger Hände beeindrucken ebenso wie die vielen Gesten der Anteilnahme. Der deutschlandweit übertragene Dom-Gottesdienst gibt der Trauer und dem Aufgewühltsein  der Menschen Raum, abends versammeln sich Tausende zum gemeinsamen Gebet. Münster steht zusammen, solidarisch, gelassen, bewegend – ja bewundernswert.

Und welch ein wohltuender Kontrast zur erbärmlichen medialen Agitation dieser AfD-Funktionärin Bea­trix von Storch inmitten der menschlichen Tragödie. 

Nach Amokfahrt in Münster: Seehofer und Laschet gedenken der Opfer

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