Ministerrücktritte an der Themse
May vor dem Aus?

Münster -

Die Buchmacher an der Themse nehmen schon wieder Wetten auf eine Neuwahl an. Kein gutes Zeichen für Theresa May, die hoffte, mit ihrem Brexit-Vorstoß nach Monaten des Zanks endlich Ruhe in ihre Regierung zu bringen.

Dienstag, 10.07.2018, 17:12 Uhr

Ministerrücktritte an der Themse: May vor dem Aus?
Theresa May, Premierministerin von Großbritannien. Foto: Rob Pinney/dpa

Doch der Kabinettsfrieden hat nicht lange gehalten – nur einen Tag nach den Beschlüssen der Torys zum Brexit haben Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis hingeworfen. Beide sind Hardliner, denen der Kompromiss zur Freihandelszone zwischen Großbritannien und der EU ganz und gar nicht schmeckt. Zwei der drei „Brexit-Musketiere“ in der britischen Regierung haben also Konsequenzen gezogen – bleibt abzuwarten, wie sich Handelsminister Liam Fox entscheidet.

Allen Dreien hatte May viel Zeit und Raum gegeben, Vorschläge zum Brexit zu erarbeiten. Doch sie lieferten keine Resultate. ­Davis hat in diesem Jahr nach Quellen aus der britischen Regierung gerade einmal vier Stunden er­übrigt, um mit EU-Kommissar Michel Barnier über den Brexit zu verhandeln. Fox hatte kein seriöses Angebot zu künftigen Handelsbeziehungen gemacht. Und Johnson? Ist mit all seinen Sprüchen und Plumpheiten wohl einer der schlechteste Außen­minister der neueren ­britischen Geschichte.

Der neue Brexit-Minister Dominic Raab, Jurist mit dem Spezialgebiet EU-Gesetze, kennt zum Glück die Materie – vertritt aber die gleiche euroskeptische Haltung wie Davis, dessen Stabschef er zeitweise war. Also kann May nicht mit einem genehmeren Kurs in puncto Brexit rechnen. Wohl aber mit einem Minister, der die Hardliner smarter vertritt als der biedere Mr. Davis. Keine rosigen Aussichten für May.

Jetzt ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es frustrierte Torys wagen, die Vertrauensfrage gegen May zu fordern, um sie zu stürzen. Dann könnte der immer sehr machthungrige Johnson oder Davis – trotz aller gegenteiligen Bekundungen – wieder aus der Versenkung auftauchen und für die Parteiführung kandidieren. Schon 2005 wollte Davis Parteichef werden, unterlag dann aber gegen David Cameron. Bei den Rücktritten spielen im Hintergrund also womöglich auch ehrgeizige Ziele eine Rolle.

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