Kommentar
EU-Vorstoß gegen den Plastikmüll: Weltweites Problem

Plastikmüll ist ein weltweites Problem – buchstäblich. Da ist zum Beispiel der Eissturmvogel (Fulmar). Forscher auf Spitzbergen haben 1980 die Innereien dieser Vögel untersucht; sie fanden in 20 Prozent der Tiere Plastikreste. 2013 entdeckten sie Plastikreste in 90 Prozent der untersuchten Vögel. Dabei leben die Eissturmvögel die meiste Zeit über dem offenen Meer. 

Mittwoch, 19.12.2018, 21:34 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 21:43 Uhr
Kommentar: EU-Vorstoß gegen den Plastikmüll: Weltweites Problem
(Symbolbild) Foto: dpa

Und: In der Arktis wohnen kaum Menschen, die Plastikmüll erzeugen könnten. Aber: Plastikmüll aus aller Welt wird über Flüsse und Meere weitergetragen und sammelt sich wegen der Strömungsverhältnisse hier im hohen Norden. Und der Fulmar, der sonst von Krill, Fischen und Quallen lebt, pickt hier oben alles auf, was an ihm vorbeitreibt. Schließlich war früher die Chance groß, dass es Nahrung war – früher.

Vor diesem Hintergrund ist es richtig, dass die EU unnötiges Plastik verbannen will. Dies gilt umso mehr, als EU-weit derzeit weniger als ein Drittel des entsorgten Plastiks auch recycelt wird – noch längst nicht überall gibt es Pfandsysteme für Flaschen. Da ist es sinnvoll, dass die Richtlinie nun EU-weit verbindliche Ziele für die Mülltrennung vorschreibt.

Aber bevor ein falscher Eindruck entsteht: Nein, die Deutschen sind beim Plastikmüll keine reinen Öko-Musterknaben. Zwar werden dank Flaschenpfand und Gelbem Sack große Mengen des deutschen Plastikmülls eingesammelt, aber hierzulande wird auch besonders viel davon produziert: 37,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr, im EU-Durchschnitt sind es nur 31,1 Kilogramm.

Das Verbot von Trinkhalmen und Pommes-Spießen aus Plastik in der EU wird die Plastikflut in den Weltmeeren zwar nicht stoppen, aber es hilft. Es schafft Bewusstsein: Wer seine Pommes künftig mit einem Holzgäbelchen aufpickt, denkt beim Schlemmen vielleicht auch noch einmal über seinen Coffee-to-go-Becher nach. Das kann nicht schaden. Nur: Mancher Plastikpartikel ist so winzig, dass er nicht zu sehen ist – das Mikroplastik in Kosmetik, in vielen Shampoos und Sonnencremes etwa. Kleine Partikel, große Probleme.

Zu begrüßen ist auch, dass die Hersteller künftig an den Kosten für Sammlung und Verwertung ihrer Produkte beteiligt werden sollen. So soll die Tabakindustrie für das Wegkehren der Kippen zahlen. Wie wichtig das ist, kann an fast jeder Haltestelle besichtigt werden.

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