Kommentar
100 Jahre Frauenwahlrecht: Der Weg ist noch weit

Münster -

Es war erkämpft, nichts fällt uns in den Schoß“: So bilanzierte die ehemalige Familienministerin Rita Süssmuth am Donnerstag im Bundestag das Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Die forsche CDU-Vorreiterin in Sachen Frauenpolitik weiß, wovon sie spricht. Sie hat selbst Jahrzehnte gekämpft, um ihre Themen in der Union nach vorne zu bringen – dabei abwechselnd milden Spott und offene Wut ihrer Kollegen ertragen.

Donnerstag, 17.01.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 17.01.2019, 19:22 Uhr
Kommentar: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Der Weg ist noch weit
Foto: dpa

100 Jahre: Das Land hat inzwischen große Politikerinnen erlebt: ­ Annemarie Renger , Christine Bergmann , Regine Hildebrandt. Dazu es eine Kanzlerin, die nun in der vierten Legis­laturperiode regiert. Doch Wermutstropfen trüben die frauenpolitische Sektlaune: Ihr Anteil im Bundestag sinkt wieder – unter anderem sorgen FDP und AfD für diesen Rückschritt. Zu Recht läuten bei den Parlamentarierinnen die Alarmglocken.

Immer noch erschweren trotz gleicher Zugangs­bedingungen veraltete Spielregeln eine politische Karriere. Ein Beispiel aus den USA: Während die Kontrahenten gebetsmühlenartig betonten, Hillary Clinton sei für das Amt der Präsidentin viel zu alt (Großmutter im Weißen Haus?), scheint das Alter bei Donald Trump eher als Qualitätsmerkmal zu gelten (ein gestandener Mann!). Was sagt das über die Denkmuster seiner An­hänger aus? Geht es ihnen um Fakten oder nur um Selbstbestätigung alter Denkmuster? Fakt ist: Die politische Welt würde auch von erfahrenen Frauen, die neben einem Beruf oft den Löwenanteil der Familienarbeit koordinieren müssen, profitieren. Sie sind lebensnahe Expertinnen darin, Verantwortung auf vielen Ebenen ständig auszutarieren.

Das Problem: Der Einsatz dieser Frauen bleibt unsichtbar. Sie haben wenig Sinn und Zeit für Machtspielchen, entscheiden sich oft für soziale und pädagogische Berufe, die fälschlicherweise weniger im Rampenlicht stehen. Doch jammern hilft nicht! Frauen sollten sich am Eifer der Suffragetten orientieren. Sich solidarisieren, vernetzen, Ansprüche klar formulieren: Die Einsicht reift, dass es nicht ausreicht, nur freundlich zu bitten. Man muss kämpfen! Dabei könnten sie übrigens mehr Unterstützung der Männer gut gebrauchen. Echte Parität in der Politik – bis dahin ist der Weg noch weit. ­Davon profitieren würde die ganze Gesellschaft. Und erst damit würde ­ vollendet, was mutige Frauen und Männer vor 100 Jahren begonnen haben.

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