Kommentar zum historischen Prozess in Madrid
Gefährliche Zerreißprobe

Spanien kommt nicht zur Ruhe. Der Prozess gegen zwölf katalanische Separatistenführer wird das Land noch tiefer spalten. Madrid gegen Barcelona? So einfach liegen die Dinge nicht. 

Dienstag, 12.02.2019, 19:10 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 19:20 Uhr
Kommentar zum historischen Prozess in Madrid: Gefährliche Zerreißprobe
Vor dem Obersten Gerichtshof in Madrid hat am Dienstag der Prozess gegen zwölf führende Vertreter der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung begonnen. Die Angeklagten sitzen in der Mitte gegenüber der Richterbank – neun von ihnen drohen wegen der versuchten Abspaltung ihrer Region von Spanien langjährige Haftstrafen wegen „Rebellion“. Foto: Foto: Emilio Naranjo/EFE Pool via AP/dpa

Ein Riss geht quer durch die Gesellschaft – bis tief hinein in die Familien. Was sich gerade vor dem Obersten Gericht in Spanien abspielt, ist bitterster Ernst. Die alten Wunden – sie waren in den vergangenen Monaten erst gar nicht verheilt – brechen nun vollends und schmerzlich wieder auf. Eine Katastrophe für das gesamte Land.

Dieser Prozess wird zum Politikum. Richter sollen nun darüber urteilen, was Autonomie und was „Rebellion“ bedeuten. In Wahrheit sollen sie richten, was Politiker in Madrid und ebenso in Barcelona über Jahre – teils aus falschem Stolz sowie aus irrlichterndem Nationalismus – zerstört haben: die Einheit des Landes, den Zusammenhalt der Gesellschaft. Dieser Prozess entwickelt sich zu einer gefährlichen Zerreißprobe.

Spaniens Demokratie bewegt sich auf schmalem Grat. Allein ein Schauprozess wird das Land indes nicht aus der Verfassungskrise führen. Die Politik muss endlich das Porzellan kitten, das sie selbst zerschlagen hat. ­Dazu braucht es Mut und Einsicht, keinen Starrsinn.

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