Kommentar
Radikaler Löw mit Verzögerung: Rauswurf für die Generation Weltmeister

Das ist dann wohl das Ende dieser „Generation Weltmeister“. Es ist nahezu unvermeidlich, wenn ein Sportler um die 30 Jahre alt ist. Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels sind von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert worden, bei den Länderspielen gegen Serbien und in den Niederlanden Ende des Monats spielen sie keine Rolle mehr.

Dienstag, 05.03.2019, 16:58 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 17:21 Uhr
Kommentar: Radikaler Löw mit Verzögerung: Rauswurf für die Generation Weltmeister
Bundestrainer Joachim Löw plant nicht mehr mit Jérôme Boateng. Foto: Ina Fassbender

Eigentlich sind vom Triumph in Rio de Janeiro von 2014 nur noch Torwart Manuel Neuer und Real-Star Toni Kroos in der aktuellen Nationalelf zu finden. Auch deren Haltbarkeitsdatum als Schlüsselspieler beim viermaligen Weltmeister ist praktisch abgelaufen.

Löws Aufräumarbeiten kommen – gefühlt – nur langsam voran. Dabei war das Jahr 2018 aus Sicht des DFB eine Ansammlung von sportlichen Desastern. Die WM-Vorbereitung floppte, das Turnier in Russland mit dem Vorrunden-Aus war ein Debakel, der Abstieg aus der Nations League ein Armutszeugnis. Nicht zu vergessen ist, wie zögerlich Löw und seine Mitstreiter die Causa „Mesut Özil“ vom Tisch wischten. Mehr Fehler ging nicht.

Zaudernde Aufarbeitung

Die Aufarbeitung wirkte behäbig, wenig innovativ, zaudernd, ohne Durchschlagskraft, uninspiriert. Personelle Konsequenzen waren früher erwartet worden. Vermutlich suchte der Bundestrainer selbst nach einer neuen Identität. Er musste, den eigenen Rücktritt ablehnend, Zöpfe abschneiden, seine Weggefährten opfern.

Und nun? Löw knallhart? Jogi, der Radikale? Joachim Löw, der Visionär? Auf Müller und Boateng zu verzichten, die beide eine schwache Saison gespielt haben, fällt vergleichsweise leicht. Aber viele Innenverteidiger von der Qualität eines Hummels gibt es im deutschen Aufgebot nicht. Tatsächlich geht Löw nun ein hohes Risiko, lieber spät als gar nicht sagen die Optimisten. Er hat die Zukunft im Blick, die Weltmeister von 2014 sind jetzt schon nur noch Fossile von einst. Ein anderer Weg, wenn Löw diesen auch mit Verzögerung beschreitet, kann nicht gegangen werden.

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