Kommentar
Widerspruchslösung bei Organspenden

Parlamentarier stellen in Berlin einen neuen Gesetzentwurf zur Organspende vor. Danach sollen alle Volljährigen in Deutschland künftig grundsätzlich als Organspender gelten – bis auf Widerruf.

Montag, 01.04.2019, 16:28 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 17:03 Uhr
Kommentar : Widerspruchslösung bei Organspenden
Ein Organspendeausweis Foto: dpa

Um es vorweg zu sagen: Ich habe einen Organspendeausweis. Schon seit vielen Jahren. Ich kenne auch Menschen, die dringend auf ein Spenderorgan warten. Dennoch bin ich gegen die Widerspruchslösung.

Die Entscheidung, ob man nach seinem Tod seine Organe spenden möchte, ist eine der privatesten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann. Da sollte kein Politiker, keine Partei und kein Staat hineinreden – auch nicht zum Wohle der Allgemeinheit. Denn bei der Organspende geht es für viele Menschen nicht nur um ihren Körper, sondern um Fragen zwischen Himmel und Erde, auf die es keine rein wissenschaftlichen Antworten gibt. Für so eine Entscheidung braucht es eine reifliche Überlegung. Bei einer Widerspruchslösung wird der potenzielle Organspender gar nicht erst gefragt.

Es gibt viele Möglichkeiten, bei denen auf die Organspende aufmerksam gemacht werden kann. Beim Beantragen eines Personalausweises, bei der Führerscheinprüfung oder bei der Tetanus-Impfung beim Hausarzt. Dort sollte angesetzt werden, um für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben. Der stete Tropfen höhlt dann hoffentlich den Stein.

Debatte

Der Bundestag wird bald über eine Reform der Organspende-Praxis entscheiden. Im Kern geht es darum, ob in Zukunft jeder ab 16 Jahren darüber entscheiden kann, ob er Organspender wird. Widerspricht er nicht, wird er als Spender registriert. Wie stehen Sie zu dieser Idee? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter „ debatte@zgm-muensterland.de

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