Kommentar
Nach Schulz-Rückzieher Punktsieg für Nahles: Lieber putschistenfrei

Der Druck auf Frau Nahles wächst maximal. Sie wollte beide Ämter der Partei- und Fraktionschefin für sich – doch das bisherige Ergebnis dieser Machtfülle ist miserabel: Es hagelt Wahlniederlagen, das Verharren ihrer SPD im Umfragetief scheint wie betoniert. 

Mittwoch, 29.05.2019, 19:18 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 20:19 Uhr
Andrea Nahles, SPD-Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende.
Andrea Nahles, SPD-Bundesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende. Foto: Kay Nietfeld

Doch Aufgeben ist eben nicht die Sache der Andrea Nahles , die mitunter zwar übertrieben emotional, aber eben auch taktisch umtriebig agiert. Dass sie, zweifellos inmitten von internen Personaldebatten und -anfeindungen stehend, die Flucht nach vorn antrat und sich schon in der kommenden Woche zur Wiederwahl stellen will, erwischte ihre mutmaßlichen Konkurrenten zunächst auf falschem Fuß.

So raubte sie Martin Schulz die Zeit für einen notwendigen interfraktionellen Mehrheitsbeschaffungs-Wahlkampf; und der im Putsch-Verdacht stehende Ex-Vorsitzende machte gestern prompt einen Rückzieher. Punktsieg für Nahles.

Dass Schulz händeringend nach einer neuen exponierten Rolle in der SPD sucht, ist bekannt; den Genossen steckt allerdings sein gescheiterter Bundestags-Wahlkampf und das völlig misslungene Koalitions-Taktieren noch derart in den Knochen, dass seine Wahlchancen als wenig aussichtsreich taxiert werden müssen.

Gut möglich, dass sich auch sonst niemand mehr für eine Gegenkandidatur finden wird. Weil die Landtagswahlen im Herbst im Osten für die SPD übel ausgehen dürften, soll Andrea Nahles auch dafür noch die politische Verantwortung übernehmen – und dann freiwillig zurücktreten. Eine vermeintlich sauberere, weil putschistenfreie Lösung.

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