Kommentar zur Einführung von Nutri-Score
Mit Vorsicht genießen

Ernährungsministerin Julia Klöckner will das Nutri-Score-Label einführen. Für die Verbraucher ist das allerdings nur ein symbolischer Sieg.

Montag, 30.09.2019, 18:26 Uhr aktualisiert: 30.09.2019, 18:58 Uhr
 
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Zähneknirschen in der Lebensmittelindustrie, Jubel bei Verbraucherschützern und Ernährungsexperten: Mit Nutri-Score sollen Kunden bald auf den ersten Blick und für jeden verständlich Zuckerbomben, salz- und fetthaltige Lebensmittel von gesunden Alternativen unterscheiden können. Ein großer Schritt hin zu einem stärkeren Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf und gegen versteckte Dickmacher – zumindest theoretisch.

In der Praxis ist die Einführung des Ampelsystems mit Vorsicht zu genießen. Zum einen ist es zunächst nicht verpflichtend. Eine flächendeckende Kennzeichnung – vor allem besonders ungesunder Produkte – bleibt daher unwahrscheinlich. Zum anderen erfasst das Nutri-Score-Label weder Geschmacksverstärker noch alternative Süßungsmittel. Durch veränderte Rezepturen können Lebensmittelhersteller ihre Produkte so auf dem Papier mit einfachen Mitteln „gesünder“ schummeln, als sie es tatsächlich sind.

Für ein effizientes Label müsste also nachgebessert werden. Schwer vorstellbar, dass sich Ernährungsministerin Julia Klöckner, die Nutri-Score unter Druck der Lebensmittellobby lange verhinderte, dafür einsetzt.

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