„Himmelslaternen“ lösen Brand im Krefelder Zoo aus
Sträflicher Leichtsinn

Krefeld -

Trauriges Neujahr in Krefeld: Ein Feuer hat in der Nacht zum 1. Januar das Affenhaus des Zoos komplett zerstört, mehr als 30 Tiere das Leben gekostet. Ein Kommentar unseres Redaktionsmitglieds Martin Ellerich.

Mittwoch, 01.01.2020, 18:28 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 18:39 Uhr
Von dem in den 70er Jahren auch mit Spenden vieler Krefelder errichteten Affentropenhaus blieben nur Trümmer übrig. Foto: Christoph Reichwein/dpa
Von dem in den 70er Jahren auch mit Spenden vieler Krefelder errichteten Affentropenhaus blieben nur Trümmer übrig. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Ballons mit Glück- und Segenswünschen für das neue Jahr haben in dessen erster Stunde die Katastrophe ausgelöst. So stellt sich der Ablauf derzeit da. Gefährlicher, sträflicher Leichtsinn – anders kann man nicht nennen, was Feiernde da zu verantworten haben.

Ihr Party-Gag hat 30 Affen das Leben gekostet. Er hat die jahrelange Arbeit der Zoo-Mitarbeiter für den Schutz und Erhalt dieser wunderbaren Tiere zunichte gemacht, und er trifft zahlreiche Krefelder ins Herz, wie deren erste Reaktionen vor den Toren des Zoos zeigen.

Das 1975 errichtete Affenhaus war über Jahre das Aushängeschild des Zoos. Befreit aus engen Käfigen, bewegten sich die Tiere hier im feucht-warmen Klima zwischen Bäumen und Grün – für die 1970er Jahre war das vorbildlich. Die Krefelder waren stolz auf „ihr“ Affenhaus, viele kannten die Namen „ihrer“ Orang-Utans.

Jetzt, da dies alles Asche und Rauch ist, wird der Ruf nach Verboten laut. Nur: Die „Himmelslaternen“ sind hierzulande längst verboten. Das hat die mutmaßlichen Verursacher offensichtlich nicht gehindert, die gefährlichen Fackeln fliegen zu lassen – übrigens über einer Großstadt, in der auch 227.000 Menschen wohnen.

Verheerender Brand im Krefelder Zoo

1/21
  • In der Silvesternacht hat es im Krefelder Zoo einen verheerenden Brand gegeben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das Affenhaus geriet in Flammen. Mehr als 30 Tiere verendeten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Beim Eintreffen der Feuerwehrkräfte in der Silvesternacht stand das Affenhaus bereits in Flammen.

    Foto: Alexander Forstreuter
  • Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe.

    Foto: David Young
  • Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen.

    Foto: Marcel Kusch
  • Mehrere Menschenaffen wurden bei dem Brand getötet, so etwa der Senior-Silberrücken Gorilla «Massa».

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Auch der Orang-Utan «Suria» und seine Mutter «Lea» (hier ein Archivbild von 2016) starben.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine sogenannte chinesische Himmelslaterne den Brand des Affenhauses verursacht hat.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Gerd Hoppmann, Leiter der Ermittlungskommission der Polizei Krefeld, präsentiert eine Himmelslaterne. 

    Foto: Fabian Strauch
  • „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos“, sagte Direktor Wolfgang Dreßen.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Brand im Krefelder Zoo ist nach Einschätzung der Polizei „weitgehend aufgeklärt“.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter meldeten sich und gaben an, Himmelslaternen im Internet bestellt und fünf in der Silvesternacht steigen gelassen zu haben.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine dieser Himmelsleuchten den Brand des Affenhauses verursacht habe. Dies werde aber derzeit noch genau geprüft, um andere Ursachen auszuschließen. Die anderen vier Leuchten habe man sichergestellt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Frauen dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Gegen die drei Frauen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf steht ein Haft- oder Geldstrafe.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos wurden Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder abgelegt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Am Mittwochvormittag wurde nach dem Brand eine Pressekonferenz abgehalten. Am Neujahrstag und auch am Donnerstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: „Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock“, erklärte der Zoo und warb um Verständnis.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Den Fragen der Journalisten stellten sich (v.l.): Kai Günther (Feuerwehr), Gerd Hoppmann (Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld), Frank Meyer (Oberbürgermeister von Krefeld) und Zoosprecherin Petra Schwinn.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Zoo wird voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort wird mit Absperrungen versehen, um einen „Katastrophentourismus“ so weit wie möglich zu verhindern.

    Foto: David Young
  • Die durch den Brand im Krefelder Zoo umgekommenen Menschenaffen können nicht beerdigt werden. 

    Foto: David Young
  • Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Zoointern werde es eine Trauerfeier geben.

    Foto: David Young
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7165073?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F981843%2F
Manolito Schwarz im Recall-Finale
Manolito Schwarz
Nachrichten-Ticker