Päpstliche Bilanz der Amazonas-Synode
Vieles bleibt noch vage

Papst Franziskus hat eine „ökologische Katastrophe“ im Amazonasgebiet mit weltweiten Auswirkungen beklagt. In seinem am Mittwoch im Vatikan veröffentlichten Schreiben zur Amazonas-Synode verurteilte er zugleich die systematische Unterdrückung von indigenen Völkern und die Zerstörung ihres Lebensraums mit verbrecherischen Methoden. Die auch von den örtlichen Bischöfen erhobene Forderung nach der Weihe verheirateter Männer zu katholischen Priestern nimmt er jedoch nicht auf. In konkreten Fragen bleibt Franziskus, der deutlich die Mitarbeit der Laien und vor allem der Frauen würdigt und einfordert, vage.

Mittwoch, 12.02.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 12:48 Uhr
Päpstliche Bilanz der Amazonas-Synode: Vieles bleibt noch vage
Papst Franziskus stellt in seiner Bilanz der Amazonas-Synode keine Zölibat-Lockerung in Aussicht. Foto: dpa

Wer im Gefolge der Amazonas-Synode auf den Reformknall aus Rom gewartet hatte, der wird angesichts der 110 Abschnitte dieses nachsynodalen Schreibens enttäuscht sein. Denn Papst Franziskus bleibt in jenen Fragen, die natürlich besonders die Teilnehmer und Beobachter des „Synodalen Wegs“ interessieren, vage. Dies vor allem in dem Reibungspunkt, ob künftig in entlegenen Teilen des Amazonasgebiets auch „viri probati“, also in Familie und Beruf bewährte Männer, zum Priester geweiht werden sollen. Damit Gemeinden Eucharistie feiern und die Gläubigen regelmäßig die Sakramente empfangen.

Ein wenig Einsicht

Ganz und gar enttäuscht kann man aber aus der mitunter typisch deutsch oder europäisch eingeengten Sicht nur dann sein, wenn man damit gerechnet hat, der Papst würde eine Blaupause abliefern, mit der die Zugangswege zum Priesteramt global verändert werden könnten.

An einer Stelle des Schreibens klingt immerhin die Einsicht in bestehende Notwendigkeiten an. Da heißt es: „Die Art und Weise der Gestaltung des Lebens und der Ausübung des Priesteramtes ist nicht monolithisch und nimmt an verschiedenen Orten der Erde unterschiedliche Ausformungen an.“ Schlummert da ein Denkansatz für weitergehende Überlegungen?

Kritik am Kapitalismus

Es wäre wohlfeil, das Schreiben des Papstes damit ad acta zu legen. Denn es enthält wertvolle Denkansätze. Über die drängenden politischen, ökologischen und spirituellen Fragen, auch über verhängnisvolle kirchlich-politische Verflechtungen bis hin zur Kritik an Kapitalismus und Ausbeutung. Da ist Papst Franziskus ganz auf der Seite der Marginalisierten und setzt jene Option für die Armen um, die vor Jahrzehnten schon die Befreiungstheologie forderte.

Neue Formen der Gemeindeleitung durch Laien werden angeregt, die kirchlichen Dienste von Frauen und Männern gleichrangig bewertet und nicht machtspezifisch sortiert. Das alles klingt modern, aber letztlich doch auch nach Bewahrung des Status quo.

20200211_114132_552

Johannes Loy Foto: Jürgen Christ

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7255365?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F981843%2F
Vollsperrung auf der B 54 in Richtung Münster am Dienstag und Mittwoch
Arbeiten: Vollsperrung auf der B 54 in Richtung Münster am Dienstag und Mittwoch
Nachrichten-Ticker