Kommentar
Mehr schwere Straftaten: Niedrigere Schwelle

Die politisch Verantwortlichen haben auf allen Ebenen reagiert. Auch deshalb ist die Kriminalität in NRW so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Aber die Bekämpfung von Kriminalität ist nicht nur Aufgabe der Polizei.

Montag, 02.03.2020, 19:48 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 20:44 Uhr
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt die polizeiliche Kriminalstatistik vor.
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt die polizeiliche Kriminalstatistik vor. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Anpöbeln im Bus, die Bedrohung vermeintlich Schwächerer oder das Bedrängen von Frauen in sexueller Absicht, das im Streit schnell gezückte Messer, um einzuschüchtern – die Schwelle von verbaler hin zu aus­geführter Aggressivität wird niedriger. Einen Schritt weiter wird aus dem gezückten Messer eben ein versuchter Mord, aus dem Nicht-Akzeptieren des Neins eine Vergewaltigung.

Die politisch Verantwortlichen haben auf allen Ebenen reagiert. Mehr Personal, erweiterte Rechte, verschärfte Gesetze – all dies soll das brüchige Sicherheitsgefühl der Bürger wieder stärken. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist in jedem Fall ein hohes, gemeinschaftsstiftendes Gut, das es zu bewahren gilt, bevor Scharfmacher aus der Erosion ihre politische Rendite ziehen können und der Demokratie ernsthaften Schaden zufügen.

Die Bekämpfung von Kriminalität ist natürlich in erster Linie Aufgabe der Sicherheitsbehörden. Doch verantwortlich ist jeder – auf allen Verantwortungsebenen. Erziehung in den Familien, Mediennutzung, konsequentes Einschreiten bei normabweichenden Verhalten gerade im Umgang mit Frauen – all dies zieht der Gesellschaft Leitplanken ein. Die Verantwortung dafür an den anonymen Staat abzugeben, ist billig. Es ist die Aufgabe aller Bürger.

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