Kommentar
Autogipfel mit der Kanzlerin: Heikle Angelegenheit

Bundesregierung und Autobranche wollen in einer Arbeitsgruppe weiter über Konjunkturmaßnahmen beraten - Anfang Juni sollen Ergebnisse besprochen werden. Das ist das heikle Ergebnis des „Autogipfels“.

Dienstag, 05.05.2020, 19:02 Uhr
Ein Mitarbeiter steht mit einem Mund- und Nasenschutz an Fahrzeugen in der Produktion. Die Autobranche fordert höhere Kaufprämien, um die in der Corona-Krise eingebrochene Nachfrage anzukurbeln.
Ein Mitarbeiter steht mit einem Mund- und Nasenschutz an Fahrzeugen in der Produktion. Die Autobranche fordert höhere Kaufprämien, um die in der Corona-Krise eingebrochene Nachfrage anzukurbeln. Foto: Swen Pförtner/dpa

Das Ziel ist klar. Der Automobilindustrie mit über 800 000 Beschäftigten in Deutschland und ihrem Zig-Milliarden schweren Steueraufkommen soll wieder auf die Beine geholfen werden. Das wollen Unternehmen und Gewerkschaften, das wollen Kanzlerin und Finanzminister. Nicht mal die Grünen widersprechen – wenn innovative, umweltfreundliche Technologien unterstützt werden.

Was die illustre Runde gestern zustande gebracht hat, ist das Gegenteil. Die Vertagung einer Entscheidung sorgt dafür, dass noch weniger Interessenten jetzt ein neues Fahrzeug kaufen. Die meisten werden abwarten, ob sie in ein paar Wochen oder Monaten nicht einen ordentlichen Zuschuss mitnehmen können.

Andererseits ist es eine heikle Sache für die Entscheider. Sollen sie einer wichtigen Branche Milliarden hinterherwerfen – und andere Wirtschaftszweige ignorieren? Haben sie zielsichere Instrumente oder fördern sie veraltete Technologie, Unternehmen in Fernost und provozieren Mitnahmeeffekte? Da darf man sich für die Entscheidung schon mal Zeit nehmen. Aber es wäre wohl besser gewesen, die Erwartungen erst gar nicht ins Unermessliche steigen zu lassen.

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