Kommentar
Corona-Fälle bei Westfleisch: Fehler im System

In Nordrhein-Westfalen werden in allen großen Schlachtbetrieben Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Betroffen sind landesweit 20 000 Mitarbeiter. Auslöser ist die hohe Zahl der Infizierten in einem Schlachtbetrieb in Coesfeld.

Montag, 11.05.2020, 21:06 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 21:22 Uhr
Zahlreiche Mitarbeiter stehen auf dem Werksgelände des fleischverarbeitenden Betriebes Westfleisch Schlange, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen.
Viele Mitarbeiter des Westfleisch-Konzerns, die zum Teil aus Osteuropa stammen und in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die mehr als prekären Umstände, unter denen zahlreiche Mitarbeiter in Schlachtbetrieben ihrer schweren Tätigkeit nachgehen müssen, haben durch die jetzt bekannt gewordenen Corona-Infektionen im Westfleisch-Werk von Coesfeld eine allgemein-gefährliche Relevanz erhalten. Dabei geht es nicht um die Lebensmittelsicherheit, sondern darum, dass es offenbar neue Corona-Hotspots von bisher ungeahnter Dimension geben könnte.

Einer Firmenleitung darf es moralisch und wohl auch juristisch nicht gestattet sein, Verantwortung für gefährliche und hygienisch unhaltbare Zustände in den Betrieben oder bei der Unterbringung der Mitarbeiter mit Verweis auf Subunternehmer wegzudelegieren. Auch der Verweis auf enge Margen im Handel oder das niedrigere Preisniveau gerade bei Fleisch darf für die gesamte Branche kein Argument sein, die Aufsichtspflicht zu verletzen. Dies gilt im Regel- und Normalbetrieb – aber umso klarer sollte allen diese Pflicht in Zeiten einer Pandemie sein.

Dabei ist es mehr als eine lässliche Petitesse, dass diese Lücken im Kontrollsystem einen ganzen Kreis beim wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufholen der ohnehin großen Schäden behindern.

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