Kommentar
Der Lockdown in der Region bleibt im Gedächtnis

Die Menschen im Kreis Warendorf können aufatmen, im Kreis Gütersloh bleiben die Einschränkungen im öffentlichen Leben noch vorerst für eine weitere Woche bestehen. Der Corona-Ausbruch bei Tönnies war vermeidbar, der Lockdown danach aber wohl nötig.

Montag, 29.06.2020, 17:06 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 17:20 Uhr
Kommentar: Der Lockdown in der Region bleibt im Gedächtnis
Abstrich für einen Corona-Test auf einem ehemaligen Militärflughafen in Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa

Disziplin und Leichtsinn, Solidarität und Stigmatisierung – die vergangenen Tage haben im Münsterland viele Facetten des individuellen, sozialen und staatlichen Lebens zutage treten lassen. Der Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies war gewaltig – und er war vermeidbar, hätten die Sozial- und Arbeitsmarktpolitiker nicht seit Jahren die Augen verschlossen vor den skandalösen Bedingungen, unter denen in dieser Branche Millionen verdient und auch an Fußball-Millionäre verschleudert wurden.

Die Tönnies-Mitarbeiter waren die ersten Leidtragenden. Sie erfahren das Maß an Solidarität und Anteilnahme, die genau denjenigen fehlt, die von Menschen aus den Kreisen Warendorf und Gütersloh verbal oder konkludent abgerückt sind. Das bleibt im Gedächtnis, genau wie Reiseanbieter, die ihre langjährigen Besucher vor die Tür setzen oder Beherbergungsverbote verhängen, bevor noch der erste Test ausgewertet ist. Ihnen sei versichert: Es gibt auch eine Reisesaison 2021.

Der Lockdown war wohl nötig, angemessen angesichts einer Dynamik, die keiner verlässlich beurteilen konnte. Ob dazu eine Maskenpflicht im münsterischen Stadtgebiet, ein Behandlungsverbot für Patienten und das Wegschicken der Schulkinder gehört, steht auf einem anderen Blatt.

Was ist im Kreis Gütersloh noch erlaubt?

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  • Im Kreis Gütersloh gibt es angesichts von mehr als 1500 infizierten Arbeitern beim Schlachtbetrieb Tönnies einen regionalen Lockdown. Was bedeutet das für die über 360.000 Menschen, die dort leben?

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  • LOCKDOWN: Die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 treten laut der Coronaregionalverordnung ( pdf) um Mitternacht (Mittwoch, 24. Juni 2020) wieder in Kraft. Die Maßnahmen gelten laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 7. Juli 2020. 

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  • TREFFEN: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben. Damit sind auch die anderswo wieder erlaubten Feiern mit bis zu 50 Personen bei Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag verboten, genau wie Schulentlassfeiern.

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  • FREIZEIT: Bis zum 7. Juli sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Indoorspielplätze und Schwimmbäder. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum sind untersagt.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten ist verboten. Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen. 

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  • SCHULEN UND KITAS: Bereits seit dem 17. Juni sind zumindest die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wieder geschlossen. 

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  • FERIEN: Am Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Laschet erklärte, der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot in den beginnenden Sommerferien. Er appellierte aber an die Betroffenen, den Kreis nicht zu verlassen. Allerdings hat Bayern ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Landkreisen ausgesprochen, in denen die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt. Es sei denn, die Urlauber können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

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  • QUARANTÄNE: Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mit ihren Familien unter Quarantäne, die auch von der Polizei überwacht wird. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung des Unternehmens.

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  • TESTS: Alle Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh sollen die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen - in speziellen Test-Zentren oder beim Hausarzt. Die Bevölkerung soll durch Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen werden.

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  • GESCHÄFTE: Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer verweist darauf, dass die Einschränkungen weniger umfangreich seien als im März. „Ich bin froh, dass zum Bespiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen″, sagte Adenauer.  „Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten”, richtete er einen Appell an die Bewohner seines Landkreises, sich an die neuen Regeln zu halten.

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