Kommentar
Ramelows „Fingerzeig“ gegen die AfD: Unwürdig und dumm

Der Mittelfinger, den Bodo Ramelow im Thüringer Landtag einem AfD-Abgeordneten gezeigt hat, sorgt für kontroverse Diskussionen. Ein Ministerpräsident, der nach einer Provokation die Beherrschung verliert und sich im Parlament zu einer beleidigenden Geste hinreißen lässt – das ist unwürdig und dumm, meint unser Redaktionsmitglied Martin Ellerich.

Sonntag, 19.07.2020, 17:22 Uhr aktualisiert: 19.07.2020, 17:42 Uhr
Ministerpräsident Bodo Ramelow (l.) hat im Thüringer Landtag für einen Eklat gesorgt. Foto: dpa
Ministerpräsident Bodo Ramelow (l.) hat im Thüringer Landtag für einen Eklat gesorgt. Foto: dpa Foto: Michael Reichel

Der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigte ihn einst im Foto-Interview. Sigmar Gabriel präsentierte ihn rechten Demonstranten. Das ist nicht anständig – aber es ist doch noch etwas völlig anderes, als den Stinkefinger im Parlament zu zeigen. Bodo Ramelows beleidigende Geste entwürdigt den Landtag.

Das Parlament ist der Ort, an dem gewählte Volksvertreter ringen sollen um den besten Weg für das Land – hart, zuweilen emotional, gerne spitzzüngig, manchmal auch derb, aber immer mit Argumenten und nach festen Regeln. Diese (Anstands-)Regeln sind kein Selbstzweck, sie sollen sicherstellen, dass selbst der hitzigste politische Kampf ein Wettstreit der Argumente bleibt.

Ramelow hat in seiner Wut nicht nur dem AfD-Mann, sondern auch diesem demokratischen Grundsatz den Stinkefinger gezeigt. Das ist unwürdig – und dumm. Denn: Es ist ganz gewiss kein Fingerzeig, wie mit den Rechtsex­tremen umzugehen ist, die die (Thüringer) AfD prägen. Die Provokation, das Lächerlich-Machen des Parlamentarismus, ist Strategie bei diesen Demokratiefeinden. Man denke nur an den Auftritt eines AfD-Abgeordneten mit Gasmaske in Bayerns Landtag. Demokraten wehren sich gegen solche Provokationen mit Argumenten und mit Selbstbeherrschung, so schwer das ist.

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