Maskenpflicht im Unterricht
Corona-Kuddelmuddel in den Schulen

Rolle rückwärts in Düsseldorf: Die Maskenpflicht im Unterricht, die ohnehin nur ab der fünften Klasse galt, gehört in NRW der Vergangenheit an, in Bayern allerdings der Zukunft. Ein ausgegorenes Konzept zur Pandemiebekämpfung sieht anders aus. Ein Kommentar.

Dienstag, 01.09.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 09:50 Uhr
Die Maskenpflicht im Unterricht endet in NRW am 31. August. Am gleichen Tag hat Bayern angekündigt, eine Maskenpflicht im Unterricht einzuführen.
Die Maskenpflicht im Unterricht endet in NRW am 31. August. Am gleichen Tag hat Bayern angekündigt, eine Maskenpflicht im Unterricht einzuführen. Foto: Guido Kirchner/dpa

Kurz vor Schuljahresbeginn ver­teidigte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Maskenpflicht als Coronaschutz im Unterricht für Schüler ab der fünften Klasse noch ­vehement. „Wir müssen besonders vorsichtig sein“, sagte er. Das klang so um­sichtig wie vorausschauend. Und vor allem nicht falsch. Laschet erntete Zustimmung und noch mehr Kritik.

Am Montag nun machte die Landesregierung eine Rolle rückwärts, indem sie offiziell das Aus für die Maske im Unterricht erklärte. Zeitgleich meldete sich Bayern zu Wort – und führt die Mund-Nasen-Bedeckung ebendort ein. ­Covid-19-Kuddelmuddel im föderalen Deutschland.

Überblick über die aktuellen Corona-Verordnungen in NRW

1/11
  • Die Landesregierung hat die Coronaverordnungen für Nordrhein-Westfalen erneuert. Sowohl mit Lockerungen als auch Verschärfungen soll die Corona-Pandemie weiterhin im Griff behalten werden.

    Foto: dpa
  • Bußgeld für Maskenverweigerer

    Das Bußgeld für Menschen, die in öffentlichen Bussen und Bahnen den Mund-Nasen-Schutz nicht tragen bleibt in NRW bei 150 Euro. Und damit über den bundesweiten Mindestsätzen. 

    Foto: dpa
  • Maskenpflicht im Unterricht wird ausgesetzt

    Lockerungen gibt es in den Schulen: Während die Maskenpflicht auf dem Schulgelände und außerhalb der Klassen bestehen bleibt, können Schüler den Mund-Nasen-Schutz im Unterricht absetzen. Diese Neuregelung gilt ab dem 1. September. Außerdem können Beschäftigte in Schulen und Kitas weiterhin kostenlose Tests machen. 

    Foto: dpa
  • Entscheidungen über Weihnachtsmärkte 

    Eine allgemeine Entscheidung über Weihnachts- und Wochenmärkte ist in NRW noch nicht gefallen. Während der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom bereits abgesagt wurde, haben die Verantwortlichen in Münster und Dortmund noch keine Entscheidung getroffen. 

    Foto: Oliver Werner
  • Test-Pflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten

    Einreisende aus Risikogebieten müssen sich grundsätzlich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Sie entfällt frühestens ab dem fünften Tag, falls dem Gesundheitsamt ein negatives Corona-Testergebnis vorgelegt werden kann, das nicht älter als 48 Stunden ist. Die Tests sind für Rückkehrer aus Ländern, die das Robert Koch-Institut als Corona-Risikogebiet einstuft, in jedem Fall Pflicht.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • 50 Euro Bußgeld bei Maskenverstößen

    Die drei Grundregeln Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen und Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten sicherstellen gelten unverändert weiter. Neu ist, dass bei Verstößen gegen die Maskenpflicht etwa in Supermärkten ein Bußgeld von 50 Euro fällig wird.

    Foto: dpa
  • Private Feiern

    Es bleibt dabei: Zu privaten Festen aus einem besonderen Anlass wie zum Beispiel Geburtstage, Taufen, Hochzeiten und Abschlussfeiern sind 150 Gäste erlaubt. Diese Regelung gilt seit dem 15. Juli. Bei privaten Feiern in den eigenen vier Wänden verzichtet die Landesregierung auf Begrenzungen, appelliert aber an die Verantwortung der Menschen. 

    Foto: dpa
  • Großveranstaltungen bleiben verboten

    Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. Dezember 2020 generell untersagt. Der Begriff „Großveranstaltung“ bezieht sich dabei nicht auf die Personenzahl, sondern „auf die Infektionsrelevanz der Veranstaltung“, wie es die Landesregierung formuliert. gemeint sind etwa Schützenfeste, Straßenfeste und Musikfestivals.

    Foto: dpa
  • Regeln für Veranstaltungen

    Das Genehmigungsverfahren für Veranstaltungen wird neu geregelt. Ab einer Teilnehmerzahl von 1000 Menschen sind die jeweiligen Kommunen zur individuellen Absprache mit dem Land verpflichtet.

    Neu ist zudem eine Regelung für Veranstaltungen mit mehr als 500 teilnehmenden Personen. Dort muss sichergestellt werden, dass auch An- und Abreise unter Einhaltung der Belange des Infektionsschutzes erfolgen können. Diese Regelungen gelten für alle Veranstaltungen, die ab dem 12. September 2020 stattfinden.

    Grundsätzlich gilt, dass es für Veranstaltungen ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept geben muss.

    Foto: dpa
  • Sport

    Beim Kontaktsport im Freien und in der Halle sind (seit dem 15. Juli) unverändert 30 Teilnehmer erlaubt. Bei Wettbewerben sind weiterhin 300 Zuschauer gestattet, bei sicher gestellter einfacher Rückverfolgung der Personendaten. Sportfeste und ähnliche Sportveranstaltungen sind bis mindestens zum 31. Oktober 2020 untersagt.

    Foto: Sven Thiele
  • Frühwarn-Ampel

    Um einen zweiten Lockdown zu verhindern gilt jetzt eine zweistufige „Corona-Bremse“.

    Stufe Gelb: Bei einer Überschreitung von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen müssen lokal Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese müssen mit dem Landeszentrum Gesundheit und der Bezirksregierung abgestimmt werden. 

    Stufe Rot: Überschreitet diese 7-Tage-Inzidenz den Wert von 50, kommen weitere - mit dem Landesgesundheitsministerium abzustimmende - Maßnahmen hinzu.

    Foto: dpa

Unausgegorenes NRW-Konzept

Ausgegoren wirkte der Schüler-Schutz in NRW nie. Unterricht unter der Maske – nicht schön, aber konsequent – war leider zu oft garniert mit aus allen Nähten platzenden Schulbussen morgens und mittags und kunterbuntem Pausendurcheinander dazwischen – unschön und nicht nachvollziehbar. Ein bundesweiter Gleichschritt im Kampf gegen das Virus ist im föderalen System weder machbar noch sinnvoll. Ein in sich logisches Konzept darf jedoch auf Ebene der Bundesländer verlangt werden. In den NRW-Schulen hat es das bisher leider nicht gegeben.

Schulstart in der Gesamtschule Mitte

1/5
  • Schweißtreibender Start ins Schuljahr: Eine Schülerin der Klasse 8a der Gesamtschule Mitte in Münster sitzt nach den Sommerferien mit einer Mund- und Nasenmaske an ihrem Tisch.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Regelmäßiges Händewaschen oder -desinfizieren gehört zum Schulalltag.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Auf den Schulfluren wurde ein Einbahnstraßensystem eingeführt. Ein Schild erinnert an die Maskenpflicht.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Eine Schülerin löst an der Tafel eine Rechenaufgabe. Der erste Schultag zeigt auch: Manches gesprochene Wort wird von den Masken „verschluckt“.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Essen und Trinken dürfen die Schülerinnen und Schüler natürlich ohne Mund- und Nasenmaske.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7560053?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F981843%2F
Nachrichten-Ticker