Kommentar
Trumps positiver Corona-Test ist bittere Ironie

Die Nachricht lässt die Welt erschaudern. Donald Trump und seine Frau sind Corona-positiv. Man sollte ihm zuallererst gute Besserung wünschen. Doch es stellen sich viele Fragen...

Freitag, 02.10.2020, 13:24 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 16:25 Uhr
Donald Trump (r), Präsident der USA, spricht bei einer Pressekonferenz über das Coronavirus im Rosengarten des Weißen Haus, während Anthony Fauci (Im Hintergrund), Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, zuhört. Foto:dpa
Donald Trump (r), Präsident der USA, spricht bei einer Pressekonferenz über das Coronavirus im Rosengarten des Weißen Haus, während Anthony Fauci (Im Hintergrund), Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, zuhört. Foto:dpa Foto: Alex Brandon

Die Nachricht aus dem Weißen Haus lässt die Welt aufhorchen – und erschaudern. Donald Trump und seine Frau Melania sind Corona-positiv – das überstrahlt Meldungen über andere Politiker, die dies bislang betraf. Man sollte ihm zuallererst gute Besserung wünschen – und nicht mit Spott reagieren. „When they get low we get high“, empfahl Michelle Obama . Auch wenn der politische Gegner – also Trump – unter der Gürtellinie agiert, sollte man selbst umso würdevoller reagieren und sich damit von seinem Stil absetzen, meinte sie damit. Das gilt gerade jetzt.

Doch wenn der Anführer der westlichen Welt infiziert ist, stellen sich Sicherheitsfragen . Auch wenn der Apparat in Washington Regeln für diesen Fall hat: Was passiert mit einem Anführer, der sich ja selbst weigert, Regeln einzuhalten? Was passiert, wenn er und sein Umfeld zum großen Teil in Quarantäne muss? Gehen sie – oder stecken sie munter weitere Teile der Regierung an? Hat Trump noch Personen getroffen, obwohl er von seinem Kontakt mit einer Corona-Infizierten wusste? Über allem steht der größte Unsicherheitsfaktor: Was kann man von den Nachrichten aus dem Weißen Haus überhaupt glauben – nach all dem lockeren Umgang mit Fakten, den sich Trump tagein, tagaus leistet?

Thema Corona rückt in den Mittelpunkt

In ihrem Welthit „Ironic“ listet Alanis Morissette Beispiele bitterer Ironie auf. Hier ein paar weitere: Ein Präsident, der die Wissenschaft ablehnt, wird von der Erkenntnis eingeholt, dass auch er sich ihren Wahrheiten nicht verweigern kann. Ein 74-Jähriger, der sich vor laufenden Kameras über das Maskentragen seines noch älteren Konkurrenten lustig macht, muss nur zwei Tage später aus gutem Grund darüber nachdenken, ob Joe Biden nicht richtig lag mit seiner Vorsicht – die Biden selbst hoffentlich vor einer Ansteckung bei Trump geschützt hat.

Eine besonders bittere Ironie wäre es, wenn der genesene Trump als Versager des Corona-Managements in der Endphase des Wahlkampfs von seiner eigenen Infektion profitieren könnte. Auch das ist nicht ausgeschlossen.

Wahr ist: Das Thema Corona, das er eigentlich wegdrücken wollte, rückt in den Mittelpunkt. Und die Unsicherheit, die er zum großen Teil selbst verursacht hat, ist Gift für die ohnehin angeschlagenen USA und die Weltpolitik – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

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