Biden liegt in den USA vorne
Das große Aufatmen wird nur kurz währen

Aufatmen in den Zentren der westlichen Demokratien nach drei bangen Tagen und Nächten: Alles spricht dafür, dass Joe Biden Präsident der USA wird. Doch das Aufatmen wird nur kurz währen. Ein Kommentar.

Freitag, 06.11.2020, 20:55 Uhr
Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, steht kurz davor, der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden.
Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, steht kurz davor, der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Foto: Carolyn Kaster/dpa

Aufatmen in den Zentren der westlichen Demokratien nach drei bangen Tagen und Nächten: Alles spricht dafür, dass Joe Biden Präsident der USA wird . Es bleibt zu hoffen, dass sein Vorsprung dank spät ausgezählter Briefwahlstimmen aus Vorstadtbezirken noch deutlicher ausfällt. Dann wirken die Dauerattacken Donald Trumps auf den demokratischen Wahlprozess nur noch lächerlich. Und Klagen gegen den angeblichen „Betrug“ – für den es keinerlei Beleg gibt – prallen bei Gerichten ab.

Donald Trump wird nicht aufhören

Doch das Aufatmen dürfte nur kurz währen. Trump wird neue Ambitionen entwickeln. Es dürfte sein Ego stärken, dass er Millionen weiterer US-Bürger für seine große Trumpshow gewinnen konnte. Und dann ist da noch sein „Clan“, der inzwischen ähnlich geschickt auf der Klaviatur des Selbstmarketings spielt wie er. Trump wäre sogar zuzutrauen, außerhalb der zunehmend skeptischen Republikaner eine eigene Bewegung zu gründen – ganz nach seinen eigenen Spielregeln.

Der Wahl-Krimi in Bildern

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  • Joe Biden, hier bei einer Kundgebung am Community College of Beaver County, setzte im Schlussspurt des Wahlkampfes unter anderem auf Musik des Rappers Eminem in einem Wahlwerbespot. 

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  • Dienstag gestikulierte US-Präsident Donald Trump am Südrasen des Weißen Hauses, nachdem er seinen Hubschrauber Marine One verlassen und seine Anhänger begrüßt hatte. Auch im diesjährigen Wahlkampf setzte Trump auf die charakteristische Cap mit dem Schriftzug "Make America great again". 

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  •  Bewaffnete Anhänger von US-Präsident Trump  vor dem Büro des Bezirksschreibers von Maricopa County, wo die Stimmen für die Präsidentschaftswahl ausgezählt wurden. Anhänger von Trump hatten in unterschiedlichen Staaten parallel für das Fortführen der Auszählung und dagegen demonstriert.

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  • Die Proteste führten sogar dazu, dass Orte, an denen Stimmen ausgezählt wurden, von der Polizei bewacht werden mussten. 

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  • Cowboy für die Demokraten: Tito Mata trägt am Tag der US-Präsidentschaftswahl einen Biden-Harris-Kampagnen Button an seinem Hut während er noch vor dem Wahllokal der Burns-Grundschule in Brownsville Wahlkampf betreibt. Im Bundesstaat Texas erreicht Biden dennoch nur 46,3 Prozent der Stimmen und muss sich damit Trump geschlagen geben. 

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  • Die Wählerin Jennifer Fresques macht hier Ende Oktober ein Selfie, bevor sie ihren Stimmzettel in eine offizielle Wahlurne im Bundesstaat Utah einwirft. Insbesondere die Briefwahl war von Trump scharf angegriffen worden. 

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  • Geht es nach einigen Anhängern von Donald Trump, dann soll die Zählung dieser Briefwahlstimmen gestoppt werden. Eine Person zündet in Portland während einer Demonstration für die Auszählung aller Stimmen im Rahmen der Präsidentschaftswahl eine US-amerikanische Fahne an.

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  • San Bernardino: Wahlhelfer mit Plastik-Schild und Maske zählen auf diesem Bild am Wahltag Stimmzettel im Wahlbüro des Landkreises aus. Die Wahl und die Auszählung der Stimmen steht auch im Zeichen der Coronavirus-Pandemie. 

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  • In Dixville Notch herrschen klare Verhältnisse. Joe Biden erhielt alle fünf Stimmen. In dem kleinen Örtchen Dixville Notch in New Hampshire gab es nur fünf Stimmzettel. Dementsprechend schnell konnte ausgezählt werden. 

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  • Die Wahl wird auch in der Kunst bereits aufgegriffen. Auf die Fassade des Kasseler Museums Fridericianum sind  Filmschnipsel der US-Künstlerin Trisha Baga projiziert. Unter anderem Impressionen von einem Modell des Weißen Hauses, Präsident Trumps Twitter-Account, Covid-19-Nachrichten und brennenden Wälder gab es zu sehen.

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  • Das amerikanische Wahlsystem mag aus dem 19. Jahrhundert stammen, doch der Wahlkampf wurde mit allen technischen Hilfsmitteln geführt. Neben dem Fernsehen spielten erneut auch Internet-Netzwerke eine große Rolle. 

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  • Harrisburg: Eine Frau, die als Freiheitsstatue verkleidet ist, nimmt an einer Demonstration für die Auszählung aller Stimmen im Rahmen der Präsidentschaftswahl teil. Anders als bei vergangenen Wahlen gab es in der Wahlnacht selbst noch keine Entscheidung, wer Präsident wird. Letztmalig war das Ergebnis  im Jahr 2000 so eng. Damals traten G.W. Bush und Al Gore an. 

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  • Warten auf den neuen Präsidenten: Drei Tage nach dem Wahltag zeigt die Laufschrift des Comedy-Veranstaltungsorts "Raleigh Improv" in Cary, NC, "Wait for it" (Übersetzt: Wartet darauf), während die Nation weiterhin auf die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen wartet.

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Joe Biden als „Anti-Trump“

Die Kampagne der Demokraten hatte nur ein Ziel: Trump abzulösen. Es war richtig, auf einen durch und durch integren „Anti-Trump“ wie Joe Biden zu setzen, der keine große Angriffsfläche geboten hat. Seine Themen Anstand, Seele und Verantwortung für die Nation in einer schweren Krise trafen den richtigen Ton – und er zeigt Empathie, die den meisten US-Bürgern guttut.

Ein möglicher Präsident Biden wird sich bescheiden müssen – wenn der Senat in republikanischer Hand bleibt, dürfte er mit vielen Plänen auf Granit beißen. Erwartungen der Europäer, nun würde in den USA alles anders, bleiben Romantik. Ein Lichtblick: Es ginge netter zu. Und dank exekutiver Befugnisse kann und will Biden Amerika wieder ins Pariser Klimaabkommen zurückführen – ein Auftakt zu mehr internationaler Kooperation.

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