Kommentar
Triage in Sachsen? Falsche Worte

Der Begriff „Triage“ ruft Angst und Schrecken hervor, schürt Panik. Deswegen sollte man ihn sehr vorsichtig verwenden.

Mittwoch, 16.12.2020, 15:04 Uhr aktualisiert: 16.12.2020, 19:54 Uhr
Ein Rettungswagen fährt auf das Gelände vom Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH im sächsischen Zittau.
Ein Rettungswagen fährt auf das Gelände vom Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH im sächsischen Zittau. Foto: Daniel Schäfer

Die Lage in den Kliniken ist mehr als angespannt. Mit einer – wissenschaftlich und medizinisch vorhergesagten – zeitlichen Nachfolge von 14 Tagen wirken sich die hohen Infektionszahlen jetzt in der Belegung der Kliniken aus. Im Fokus vor allem die Intensivstationen, wo vielerorts die Kapazitätsgrenze erreicht ist.

Dennoch: Die Benutzung des Schreckensbegriffs „Triage“ durch einen Mediziner des Klinikums Oberlausitzer Bergland in Zittau schürt Ängste, gar Panik, an der niemand Interesse haben kann. Der Lockdown ist da – und dürfte jedem, der trotz der steigenden Zahl von Toten noch immer ein unsolidarisches Maß an Sorglosigkeit an den Tag gelegt hat, den Ernst der Lage noch einmal vor Augen geführt haben. Die politisch Verantwortlichen haben viel Zeit im Sommer verloren – und sich offenbar wie die Bevölkerung in der trügerischen Sicherheit gewogen, dass Deutschland auch in der Pandemie der Musterschüler ist und im Winter sein wird.

Die Lage ist ernst – sie wird aber nicht beherrschbarer, wenn Ärzte, Politiker oder interessierte Kreise Begriffe wie Triage oder Kontrollverlust in den öffentlichen Diskurs werfen. Dies schafft falsche, gar schädliche Aufmerksamkeit. Noch gibt es – auch in Sachsen – Möglichkeiten der Verlegung von Patienten, die eine bestmögliche medizinische Behandlung verdienen und erhalten.

Diese Regeln gelten im harten Corona-Lockdown

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  • Um die hohen Corona-Fallzahlen in den Griff zu bekommen, fahren Bund und Länder das öffentliche Leben von Mittwoch (16. Dezember) bis zum 10. Januar herunter. Die Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen im Überblick.

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  • KONTAKTE: Private Treffen sind weiterhin auf den eigenen und einen weiteren Haushalt, in jedem Fall aber auf maximal fünf Personen zu beschränken. Kinder bis 14 Jahre sind hiervon ausgenommen.

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  • WEIHNACHTEN: Vom 24. bis 26. Dezember werden mehr Kontakte möglich. Die Länder sollen in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Infektionsgeschehen in dieser Zeit Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehenden Personen zulassen. Hinzu kommen Kinder bis 14 Jahre aus dem engsten Familienkreis, also von Ehegatten, Lebenspartnern und Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, außerdem Verwandten in gerader Linie, Geschwister, Geschwisterkinder und deren jeweiligen Haushaltsangehörigen - «auch wenn dies mehr als zwei Hausstände oder 5 Personen über 14 Jahren bedeutet».

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  • EINZELHANDEL: Der Einzelhandel wird vom 16. Dezember bis zum 10. Januar geschlossen. Ausnahmen gelten für Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken. Dazu zählen: Lebensmittelläden, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte; Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Tierbedarf, Futtermittelmärkte, Weihnachtsbaumverkauf und Großhandel.

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  • SCHULEN: Schulen sollen grundsätzlich geschlossen werden, oder die Präsenzpflicht wird ausgesetzt. Es wird eine Notfallbetreuung sichergestellt und Distanzlernen angeboten. Für Abschlussklassen können gesonderte Regelungen gelten.

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  • KITAS: In Kindertagesstätten wird analog zu Schulen verfahren. Für Eltern werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, für die Betreuung der Kinder im genannten Zeitraum bezahlten Urlaub zu nehmen.

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  • ARBEITSPLATZ: Arbeitgeber werden dringend gebeten zu prüfen, ob Unternehmen entweder durch Betriebsferien oder großzügige Homeoffice-Lösungen geschlossen werden können

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  • ALKOHOL: Das Trinken alkoholischer Getränke im öffentlichen Raum wird untersagt. Verstöße werden mit einem Bußgeld belegt.

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  • SILVESTER: Der Verkauf von Pyrotechnik vor Silvester wird generell verboten. Am Silvestertag und Neujahrstag gelten bundesweit ein An- und Versammlungsverbot sowie ein Feuerwerksverbot auf vielbesuchten Plätzen, die von den Kommunen festgelegt werden.

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  • FRISEURE: Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseursalons, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe werden geschlossen.

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  • NOTWENDIGE BEHANDLUNGEN: Medizinisch notwendige Behandlungen, zum Beispiel Physio-, Ergo- und Logotherapien sowie Podologie/Fußpflege bleiben weiter möglich.

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  • GOTTESDIENSTE: Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen sowie die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften sind nur zulässig, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt werden kann. Es gilt Maskenpflicht auch am Platz, der Gemeindegesang ist untersagt. Wenn volle Besetzung erwartet wird, sollen sich die Besucher anmelden.

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  • ALTENPFLEGE: Für Alten- und Pflegeheime sowie mobile Pflegedienste sollen besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden. Der Bund unterstützt diese mit medizinischen Schutzmasken und durch die Übernahme der Kosten für Antigen-Schnelltests.Die Länder werden eine verpflichtende Testung mehrmals pro Woche für das Personal in den Alten- und Pflegeeinrichtungen anordnen. In Regionen mit erhöhter Inzidenz soll der Nachweis eines aktuellen negativen Coronatests für die Besucher verbindlich werden.

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  • Die Länder werden eine verpflichtende Testung mehrmals pro Woche für das Personal in den Alten- und Pflegeeinrichtungen anordnen. In Regionen mit erhöhter Inzidenz soll der Nachweis eines aktuellen negativen Coronatests für die Besucher verbindlich werden.

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