Entsetzen über Sturm auf das Kapitol
Trumps Horror-Finale

Selbst diejenigen, die immer schon vor apokalyptischen Szenarien unter Donald Trump gewarnt ­haben, dürften sich in ihren düstersten Fantasien nicht die Belagerung des ­Kapitols ausgemalt haben. Es ist einfach nur traurig: Das Herz der stolzen US-Demokratie wirkt binnen Minuten wie das Zentrum einer abgedrifteten Bananenrepublik. Ein Kommentar.

Donnerstag, 07.01.2021, 21:03 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 21:58 Uhr
Anhänger von US-Präsident Donald Trump stürmen das US-Kapitolgebäude Foto: dpa
Anhänger von US-Präsident Donald Trump stürmen das US-Kapitolgebäude Foto: dpa Foto: Essdras M. Suarez

Eine Zeremonie, bei der eigentlich nur die Wahlergebnisse der Bundesstaaten bestätigt werden sollen, verwandelt sich in eine bürgerkriegsähnliche Szene – geprägt von Todesangst und Zerstörung. Das Drehbuch dafür schrieb Trump : Erst wird ihm Vizepräsident Mike Pence untreu und weigert sich im Kongress, Einsprüchen gegen das Wahlergebnis stattzugeben. Dann stürmen – wie als Racheakt – die von Trump in seiner Rede offen dazu aufgerufenen „Putschisten“ das Gebäude.

Sturm auf das Kapitol in Washington

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  • Eskalation in Washington: Polizisten mit gezogenen Waffen beobachten, wie Demonstranten versuchen, in die Kammer des Repräsentantenhauses im US-Kapitol einzudringen.

    Foto: J. Scott Applewhite (dpa)
  • Während der Kongress sich darauf vorbereitet, den Sieg des gewählten Präsidenten Joe Biden zu bestätigen, haben sich Tausende von Menschen versammelt, um ihre Unterstützung für Präsident Donald Trump und seine Behauptungen über Wahlbetrug zu zeigen. Sicherheitskräfte versuchen, sie aufzuhalten.

    Foto: Andrew Harnik (dpa)
  • Die Polizei überwacht Demonstranten, die versucht haben, durch eine Polizeiabsperrung zu brechen am Kapitol in Washington.

    Foto: Julio Cortez (dpa)
  • Unterstützer des US-Präsidenten Trump versuchen eine Absperrung vor dem Kapitol zu durchbrechen.

    Foto: John Minchillo
  • Vor der Eskalation nahmen Tausende Menschen an einer Kundgebung zur Unterstützung des US-Präsidenten Trump teil.

    Foto: Jacquelyn Martin
  • Donald Trump, noch amtierender Präsident der USA, erneuerte seine haltlosen Behauptungen über Betrug bei der Abstimmung. Seinem Stellvertreter Mike Pence warf er wegen dessen Weigerung, die Bestätigung der Wahlergebnisse im Kongress zu verhindern, mangelnden Mut vor.

    Foto: Evan Vucci
  • Nach der Rede Trumps marschierten Hunderte seiner Unterstützer auf den Parlamentssitz zu.

    Foto: Julio Cortez
  • Einige lieferten sich dort Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften.

    Foto: Julio Cortez
  • Vizepräsident Mike Pence eröffnete als Präsident des Senats im Kapitol die Sitzung, um die Stimmen des Electoral College zu zählen, die bei der Wahl im November abgegeben wurden. Rechts steht die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi.

    Foto: Saul Loeb
  • Nach dem Sturm auf das Kapitol wurde das Parlamentsgebäude evakuiert. Die Abgeordneten wurden in Sicherheit gebracht.

    Foto: Greg Nash
  • Eindringlinge im US-Kapitol: Polizisten beobachten Demonstranten in einem Flur in der Nähe der Senatskammer.

    Foto: Manuel Balce Ceneta
  • Gezogene Waffen im Parlament: Polizisten mit gezogenen Waffen beobachten, wie Demonstranten versuchen, in die Kammer des Repräsentantenhauses im US-Kapitol einzudringen.

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Der Pulverdampf hat sich gelichtet, die Fragen bleiben: Warum gab es nicht mehr Vorkehrungen gegen den teils bewaffneten Mob? Hätte man bei „Black Lives Matter“-Demonstrationen schwarzer Bürgerrechtler ähnlich lässig gehandelt? Warum musste erst Pence die Nationalgarde bestellen? Jeder Vorstadt-Bürgermeister würde nach so einem Desaster sofort entlassen. Warum darf Trump weitermachen und die Welt nun mit seinem Horror-Finale und einem langen Countdown bis zur ­offiziellen Amtsübergabe am 20. Januar in Angst und Schrecken versetzen? Was sollen ein paar Stunden Twitter-Verbot für Trump bewirken, wenn er danach einfach weiter die Plattform mit seinen Lügen befeuern kann?

Trumps Kapital bleiben seine Anhänger. Ihr Urschrei aus Hass und Frust über die Veränderungen der modernen Welt würde ungehört in den Weiten der US-Überflugzonen verhallen – doch Trump gibt ihnen die ganz große Bühne. Diesmal ist er endgültig zu weit gegangen.

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