Analyse
Astra-Zeneca-Impfstoff vor Zulassung: Ein Meilenstein

Die Zulassung des Impfstoffs von Astra-Zeneca wäre trotz einer Wirksamkeit von nur etwa 70 Prozent ein Meilenstein für die Massenimmunisierung in der EU. Und das gleich in vielfacher Hinsicht.

Dienstag, 12.01.2021, 18:38 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 19:07 Uhr
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca.
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs der Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca. Foto: dpa

Die generelle Verfügbarkeit des Impfstoffs würde sich bis Jahresende deutlich verbessern. Zwar erhöht jedes weitere Vakzin die Menge der Impfdosen, doch jenes von Astra-Zeneca ist besonders bedeutend. Denn die EU hat sich beim Einkauf im Sommer bis zu 400 Millionen Dosen ge­sichert. Mehr als von jedem anderen Hersteller.

  • Im Gegensatz zu den Impfstoffen von Moderna, Biontech oder Curevac vertreibt Astra-Zeneca einen Vektorimpfstoff. Er enthält harmlose Schimpansen-Viren, deren Oberfläche so verändert wurde, dass sie den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß des Sars-CoV-2-Virus enthalten. Für Skeptiker, die Bedenken gegenüber den neuartigen mRNA-Impfstoffen haben, könnte er eine akzeptable Alternative sein.
  • Das Serum ist einfach zu transportieren und zu lagern. Während der Biontech-Impfstoff auf minus 70 Grad und der Moderna-Impfstoff immerhin noch auf minus 20 Grad heruntergekühlt werden muss, reichen dem Astra-Zeneca-Vakzin Kühlschranktemperaturen. Damit ist das Mittel geeignet, um es mittelfristig von Hausärzten verimpfen zu lassen.
  • Der Preis des Impfstoffs von Astra-Zeneca ist deutlich geringer als der der Konkurrenz. Eine Dosis kostet lediglich zwei Euro, wohingegen die Vakzine von Moderna mit 14,80 Euro und Biontech mit zwölf Euro zu Buche schlagen.

 

Was Arbeitgeber zur Schutzimpfung anordnen dürfen

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  • Gegen das Coronavirus impfen lassen oder nicht? Das ist bislang immer Entscheidung des Einzelnen. Können am Arbeitsplatz Ausnahmeregeln gelten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

    Foto: Ilia Yefimovich/dpa
  • Können Arbeitgeber von ihren Beschäftigten eine Corona-Impfung verlangen?

    Grundsätzlich nicht. „Die Impfung bedeutet einen starken Eingriff in grundrechtlich geschützte Position des Arbeitnehmers. So etwas ginge nur auf der Basis einer gesetzlichen Pflicht“, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Der Gesetzgeber habe sich bei der Coronaschutzimpfung bewusst gegen eine solche Pflicht entschieden. Nur wenn sich das in Zukunft ändern sollte und sich der Gesetzgeber für eine Impfpflicht entscheidet, würde sich auch die Bewertung der Verpflichtung im Arbeitsverhältnis ändern, erklärt der Fachanwalt.

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  • Drohen Konsequenzen, wenn man keine Impfung hat?

    Da es keine Impfpflicht gibt, könne der Arbeitgeber keine Maßnahmen gegen diejenigen ergreifen, die nicht geimpft sind oder es nicht vorhaben. Das erklärt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in einem Beitrag zum Thema. Der Arbeitgeber bleibe arbeitsvertraglich zur Beschäftigung verpflichtet, unabhängig davon, ob ein Beschäftigter geimpft ist oder nicht.

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  • Wie sieht es für Beschäftigte in Gesundheitsberufen aus - etwa Pflegepersonal oder Ärztinnen und Ärzte?

    Aufgrund der besonderen Gefährdungssituation in diesen Berufsgruppen habe der Arbeitgeber hier grundsätzlich weitreichendere Befugnisse, erklärt Bredereck. Aber: „Für einen Zwang zu Impfung reichen auch diese ohne gesetzliche Regelung nicht.“ Es kann dem Arbeitsrechtler zufolge allerdings sein, dass der Arbeitnehmer ohne Impfung nicht beschäftigt werden darf und damit auch seinen Anspruch auf Arbeitsvergütung verliert. Ihm könnte dann außerdem eine personenbedingte Kündigung drohen, soweit er ohne Impfung für die Ausübung seines Berufes nicht geeignet ist. „Das muss man dann analog zum Kraftfahrer, der sein Führerschein verliert, betrachten.“

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  • Müssen Beschäftigte ihrem Arbeitgeber mitteilen, ob sie gegen das Coronavirus geimpft sind?

    Arbeitnehmer müssen das nicht proaktiv tun, erklärt Bredereck. Anders kann es aussehen, wenn der Arbeitgeber fragt. Da er auch für die Gesundheit der übrigen Arbeitnehmer zu sorgen hat und die Frage insoweit maßgeblich ist, dürfte eine entsprechende Frage des Arbeitgebers zulässig sein, so die Einschätzung des Fachanwalts. Damit müsste diese auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Der DGB sieht das etwas strenger. Dort heißt es, dass Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber keine Auskunft zu der Frage schulden. Impfen sei Privatsache der Beschäftigten - ausgenommen die gesetzlich geregelte Masernimpfplicht, die etwa für Beschäftigte in Kitas gilt.

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  • Kann der Arbeitgeber Zugang zu bestimmten Bereichen verweigern, wenn Arbeitnehmer nicht geimpft sind? Zum Beispiel zur Kantine?

    Das sei immer Einzelfallentscheidung, erklärt Bredereck. Der Arbeitgeber benötige ein konkretes Interesse daran, dass ein Arbeitnehmer keinen Zutritt bekommt. „Wenn die allgemeinen Maßnahmen - etwa Abstandsregelung, Maskenpflicht, Homeoffice ausreichend sind - sehe ich das nicht“, so der Fachanwalt. Der DGB verweist hier auf Paragraf 612a im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Demnach verbiete insbesondere die Benachteiligung von Beschäftigten, die ihren Anspruch auf Schutzimpfung freiwillig nicht wahrnehmen wollen, eine solche Zutrittsregelung. Laut Bredereck könnte es Ausnahmen geben, wenn es um den Zutritt zu Orten mit „speziellem Gefahrenpotenzial“ geht, zum Beispiel zur Kantine. Der Arbeitgeber dürfe aber auch hier den Zutritt nicht willkürlich verweigern, sondern nur wenn dies gesetzlich vorgegeben oder im Rahmen des betrieblichen Gefahrenmanagements vorgesehen ist.

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  • Darf der Arbeitgeber Anreize für Geimpfte schaffen - etwa in Form eines Impfbonus?

    Das dürfte laut Fachanwalt Bredereck zulässig sein. „Der Arbeitgeber hat ein nachvollziehbares Interesse an der Impfung, der Arbeitnehmer gibt eine grundrechtlich geschützte Position auf. Warum soll es dafür nicht eine Gegenleistung geben?“ Der Fachanwalt sieht hier aber künftig noch viel Konfliktpotenzial.

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