Kommentar
Niederlande lockern Corona-Maßnahmen: Ein falsches Signal

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei über 300, in den Krankenhäusern herrscht Alarmstimmung. Trotzdem kehren die Niederländer nach vier Monaten Lockdown ein wenig in den Normalmodus zurück. Das aber ist ein falsches Signal. Ein Kommentar

Mittwoch, 28.04.2021, 14:10 Uhr aktualisiert: 28.04.2021, 16:55 Uhr
Menschen feiern den Tag des Königs. So wie am Dienstag in Amsterdam könnte es nun überall in den Niederlanden aussehen. Das Land lockert seine Corona-Maßnahmen. Foto: dpa
Menschen feiern den Tag des Königs. So wie am Dienstag in Amsterdam könnte es nun überall in den Niederlanden aussehen. Das Land lockert seine Corona-Maßnahmen. Foto: dpa Foto: dpa

Die Niederlande lockern ihre ­Corona-Maßnahmen . Nach vier Monaten strengen Lockdowns ist seit gestern die Außengastronomie geöffnet und die nächtliche Ausgangssperre passé. Wer in Geschäften ein­kaufen will, kann dies ab sofort wieder ohne Terminabsprache machen. So sieht er also aus, der schöne Schein der Normalität.

Corona hält auch das Königreich eisern im Griff. Die ­landesweite Inzidenz liegt bei über 300, der Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen ist riesig. Das Expertengremium des Corona-Beirats schlug mit Blick auf die Lockerungspläne die Hände über dem Kopf zusammen – die Regierung Rutte seine Warnungen in den Wind.

So haben die Niederländer den Königstag gefeiert

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  • Bei herrlichem Frühlingswetter gingen am Dienstag in den Niederlanden viele Leute auf die Straßen, um den 54. Geburtstag von König Willem-Alexander zu feiern.

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  • Zum zweiten Mal fielen die traditionellen Volksfeste, Mega-Flohmärkte und Straßen-Partys am „Koningsdag“ aus.

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  • Der König besuchte mit seiner Familie – v.l. Prinzessin Amalia (17 Jahre), Königin Maxima, Prinzessin Alexia (15) und Prinzessin Ariane (14)  – Eindhoven und erlebte dort ein vor allem virtuelles Programm mit Kultur, Hightech und Sport.

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  • Im vergangenen Jahr hatte die Königsfamilie den Tag virtuell mit dem Volk noch als „woningsdag“ (Haustag) gefeiert. In diesem Jahr hatte man sich für ein Pogramm mit Mund-Nasen-Masken und 1,5 Meter Abstand entschieden. „Dies war möglich nach den Corona-Regeln“, sagte der Monarch. „Aber wir denken auch an alle Menschen, die heute nicht mit uns feiern können.“

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  • Eine Mutter und ihre Tochter, die ein orangefarbenes Königsgewand mit der niederländischen Flagge trägt, fahren am Königstag entlang der Prinsengracht in Amsterdam.

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  • In vielen Städten strömten die Menschen nach draußen. Zu viel Feierlaune: Einige Parks mussten geschlossen werden.

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  • Vor ihren Häusern oder an geöffneten Fenstern und Türen haben sich etliche Niederländer selbst etwas Party-Stimmung gezaubert.

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  • Die Zentren von mehreren Städten waren am Abend überfüllt.

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  • Behörden riefen über Twitter dringend dazu auf, die Städte zu verlassen.

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  • Der Der „Koningsdag“ war vorläufig der letzte Tag im strengen niederländischen Lockdown.

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  • Seit Mittwoch gelten nach gut vier Monaten mehr Freiheiten: ein Ende der Ausgangssperre, und Terrassen und Geschäfte sind unter Auflagen wieder geöffnet.

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Außengastro statt Ausgangssperre: Der lockere Umgang mit den Lockerungen in den Niederlanden treibt auf deutscher Seite Politik und Verwaltung zu Recht Sorgenfalten ins Gesicht. Weil auch hierzulande die Menschen die Nase gestrichen voll haben. Von dem Virus und der Gefahr, all den spaßverderbenden Ein- und Beschränkungen. Hier wegtauchen unter den Restriktionen und beim Nachbarn mal eben eintauchen in ein bisschen mehr Freiheit. Gerade im Grenzraum ist die Versuchung groß, weil die Entfernungen gering sind. Die Folgen könnten jedoch fatal sein.

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