Nachrichten Münster
Neuer Bahnhof auf der Kippe

Donnerstag, 29.12.2011, 09:12 Uhr

Münster. Die seit Jahren ausstehende Sanierung des Hauptbahnhofs Münster ist erneut hochgradig gefährdet. Das Bundesverkehrsministerium weigert sich, 175 Millionen Euro in einen Bahn-Topf einzuzuahlen, der zur Sanierung von fünf NRW-Bahnhöfen eingesetzt werden soll, darunter auch Münster.

Das teilte gestern SPD-Bundestagsabgeordneter Christoph Strässer mit. Er berief sich dabei auf Achim Großmann , Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. „Die von der Bahn geforderte Sonderförderung wird es nicht geben“, so Strässer.

Damit ist das Finanzkonzept der Bahn praktisch wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen. Geplant war nämlich, für die Sanierung der sogenannten Verkehrsstationen in den Bahnhöfen von Dortmund, Essen, Wuppertal, Duisburg und Münster 350 Millionen Euro aufzuwenden (24 Millionen davon für Münster).

50 Prozent des Geldes sollte vom Bund kommen, 30 Prozent vom Land, 20 von der Bahn selbst. Diesen Eigenanteil könne die Bahn nicht anheben, „weil wir sonst in die Verschuldung schlittern“, so gestern die Bahnsprecherin Gabriele Schlott in Berlin. Sie wies darauf hin, dass eine offizielle Erklärung des Ministeriums noch ausstehe.

Trotz der dunklen Wolken hat Münsters Stadtdirektor Hartwig Schultheiß für das Bauvorhaben noch Hoffnung. Den Bundestagsabgeordneten stehe beispielsweise die Möglichkeit offen, entgegen der Empfehlung des Verkehrsministeriums Geld für die Sonderfinanzierung in den Haushalt einzustellen. „Das ist eine Frage der Lobbyarbeit.“

CDU-Bundestagsabgeordneter Ruprecht Polenz will jetzt prüfen, wie er betonte, „ob wir auf der Ebene der NRW-Abgeordneten einen Vorstoß hinbekommen“. Man dürfe die Erwartungen nicht zu hoch stecken, denn eine Sonderfinanzierung für NRW führe dazu, „dass bundesweit die Begehrlichkeiten steigen“.

Vor allem dürfe nicht der Eindruck entstehen, als blockiere der Bundesverkehrsminister den Bahnhof. Im Gegenteil: „Bahnchef Mehdorn hat in Kenntnis der Förderrichtlinien des Bundes den Münsteranern einen neuen Bahnhof versprochen“, so Polenz. Der parteilose münsterische Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel warf Mehdorn gestern eine „unerträgliche, substanzlose Ankündigungspolitik“ vor.

Trotz der Zuspitzung bleibt Schultheiß zuversichtlich. Sollte das 350-Millionen-Paket der Bahn platzen, bestünde dennoch die Möglichkeit, die Zuschüsse aus den „regulären Mitteln“ zu nehmen, die der Bund für Bahnprojekte zur Verfügung stelle. Schultheiß beruft sich darauf, dass die Kosten für die Sanierung in Münster – verglichen etwa mit Essen und Dortmund – deutlich geringer ausfallen „und wir in der Planung viel weiter sind“.

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